Dienstag, 15. November 2011

Klingelingeling, hier kommt der Eiermann

Letzte Woche Montag war ein Muslimischer Feiertag - es war dann für alle frei (eigentlich war der am Sonntag, aber wenn ein Feiertag aufs Wochenende fällt, wird der nächste Arbeitstag freigemacht). Am Dienstag war ebenso frei (wie auch schon am Freitag davor); der Grund war hier die Midterm-Ferien. Somit hatte ich Zeit und konnte meiner Gastmutter helfen. Sie kauft einmal in der Woche Eier ein, die sie dann weiterverkauft. Beim kaufen half ich ihr.

Wir fuhren gemeinsam in einem Taxi und mit einer kleinen Kofferraum-Ladung voll mit Eierkarton-Paletten für je 30 Eier zu dem entsprechenden Handel. Dort mussten wir ca. eine Dreiviertelstunde mit vielen anderen warten, bis der Verkauf losging. Es wurde gesagt, wieviele Eier wir haben wollten, zahlten und die Paletten wurden dann nach und nach herausgebracht. Diese Eier waren jedoch auf Kunststoff-Paletten und unsere Aufgabe war es nun, die Eier auf unsere eigenen Karton-Paletten umzusetzen. Zu Beginn dachte ich, eine pfiffige Idee zu haben, und dass man es sich einfach machen könnte indem man unseren Karton auf die Kuststoff-Palette des Betriebs setzen und umdrehen könnte. Doch ging das nicht, da wir alle Eier prüfen mussten. Sie sollten mit dem dickeren Ende in die Schale gesetzt werden und die Spitze sollte nach oben schauen. Außerdem sortierten wir kaputte Eier aus (das war am Ende mindestens eine Palette) und kleine Eier kamen auf separate Paletten. 
Quasimodo lebt
Die fertig bestückten Kartons wurden alle mit einem Baum-Blatt versehen; wohl um sie zu kennzeichnen. Die Paletten wurden immer zu zehnt gestapelt und wir hatten am Ende zehn dieser Stapel, was 3000 Eier machte! 

Gleich neben uns gab es ein Tor, aus dem Mitarbeiter viele Säcke mit Mehl herausschleppten, welches dort wohl gemahlen wurde. Diese Säcke wurden auf einem Transporter verladen, unter dem sich viele alte und junge Ziegen in den Schatten gelegt hatten. Da die Tür zum Mehllager öfters aufblieb, schauten dort die Ziegen auch gerne vorbei und wurden manchmal wieder herausgescheucht um beim nächsten Mal wieder hineinzugehen :)   


Als wir mit unserer Arbeit fertig waren, warteten wir auf unseren Transportwagen, der lange auf sich warten ließ. Ich vertrieb mir die Zeit damit, weitere Ziegen- aber auch Geier-Fotos zu schießen, die dort ebenfalls zu sehen waren und zu den Hühner-Ställen hinüberschauten.

 

Der Wagen der dann kam, war ein kleiner japanischer Transporter. Darin saß der Fahrer und sein Helfer und damit waren dann auch beide Plätze belegt. Die beiden verteilten unsere Paletten auf der offenen Ladefläche und machten anschließend doch noch einmal eine kleine Lücke, damit der Helfer sich auf die Umrandung der Ladefläche setzen und seine Füße auf der Fläche absetzen konnte. Meine Gastmutter und ich zwängten uns vorne auf den einen Sitz neben den Fahrer. 

 

Zuhause wurden die Eier dann abgeladen und werden nach und nach weiterverkauft.

Dienstag, 8. November 2011

Kein Regen im Wald

Am Wochenende ginge es in einer kleinen Gruppe von fünf Leuten nach Cape Coast. Diese Stadt liegt westlich von Agona Swedru, im Gegensatz dazu aber direkt an der Küste.

Wir besuchten ein Castle (weniger mit Schloss als mit Sklaven-Fort zu übersetzen). In Cape Coast gibt es derer zwei. Wir waren im Cape Coast Castle. In diesem erfuhren wir etwas zu deren Sklaven-Geschichte. So wurden beispielsweise die Frauen und Männer getrennt untergebracht und einige der Kirchen Ghanes hatten in diesen Burgen ihre Anfänge. Sollten die Sklaven dann verschifft werden, ging es durch die "Door of no Return", durch die wir auch gingen und dann vor Stufen standen, die zum Strand hinunterführen. Nett fand ich auf der Außenseite der Tür das Schild "Doof of Return".


Bevor wir dieses Fort besuchten, waren wir auch beim anderen Castle, in welches wir jedoch nicht gegangen waren. Vor dem Fort/der Burg wurde ich von jungen Leuten angesprochen. Dies ist nicht weiter ungewöhnlich, so wird man sehr oft gefragt, wie es einem geht oder auch wie man heißt (ich wurde sogar gefragt, wie genau man meinem Namen schreibt). So auch diesmal. Außerdem wurde mir empfohlen, mir die dort zu verkaufende Ware einmal anzuschauen. Daran hatte ich kein Interesse, aber ich wurde auch gebeten, etwas für einen Fußball-Verein zu spenden, um die Jugendlichen vor Ort zu Unterstützen. Dazu hätte ich auf einem Blatt unterschreiben und das Geld zahlen dürfen. Auf diesem standen schon andere Namen, doch fragte ich mich, ob wirklich jemand 100, 200 und 500 Cedi gespendet hat, wie es darauf zu sehen war. Ich ging erst einmal zu den anderen zurück, mir wurde aber mit auf den Weg gegeben, es mir noch einmal überlegen zu können.

Wir umrundeten die Burg und schauten uns die starke Brandung an den Felsen an und kamen schließlich wieder bei den Leuten vorbei. Von dem, mit dem ich mich zuvor unterhalten hatte, bekam ich ein Geschenk. Eine Muschel mit meinem Namen, dem Datum und dem Ort. Das war ja nett. Danke. Und wie es denn nun mit der Spende sei? Ich teilte ihm mit, dass ich wie gesagt nicht vor habe zu spenden, woraufhin mir entgegengehalten wurde, dass ich doch ein Geschenk bekommen hätte. Da hatte er Recht, doch sagte ich ihm, dass er mir das Geschenk entweder schenkt und dann ist es geschenkt, oder halt nicht. Letztendlich gab ich die Muschel jedoch ohne Spende wieder zurück.

Bei dem Cape Coast Castle wurde ich auch von einem angesprochen, mit dem ich um die Burg ging und der mir einige weitere Informationen zu der Burg gab. Ich verabschiedete mich dann wieder in die Burg und als ich später wieder herauskam, wollte er mir eine Muschel schenken... Danke, eine am Tag reicht mir.

Am nächsten Tag fuhr ich mit einem weiteren Freiwilligen in den Kakum-Nationalpark. In diesem sollen sich auch große Tiere wie Wildelefanten sehen lassen, doch dieses Glück hatten wir nicht, da die meisten Tiere eher in der Nacht oder den frühen Morgenstunden aktiv sein sollen. Eine Besonderheit dieses Parks ist jedoch der Canopy-Walkway. Dies ist ein Rundweg auf Brücken, die zwischen sehr hohen Bäumen des Parks angebracht sind. Bis zu 40 Meter befindet man sich dann über dem Boden, den man allerdings nicht oft sieht, da dieser dicht mit "normal hohen" Bäumen und anderen Pflanzen bewachsen ist. Da der Weg nicht direkt an dem Baumspitzen festgemacht ist, sind die Bäume noch etwas höher als man sich selber befindet. Und das ist so oder so ganz schön hoch.


 
Nach dem Rundgang gingen wir in kleinerer Gruppe mit einem Führer durch den Wald, der uns einige Bäume erklärte und wir sahen natürlich doch Tiere, mussten uns aber mit Schmetterlingen und Ameisen begnügen. Doch zwei Ameisen-Straßen sahen wir, die beeindruckend waren. Wir sollten darauf acht geben, in diese nicht aus Versehen hineinzutreten, da man ansonsten die Tiere gleich überall hätte. Eine andere Art Ameise hatte ich während der Tour auf meiner Hand entdeckt und konnte sie nach dreimaligem Pusten doch nur mit Fingerschnipp loswerden. Mein Begleiter tat sich mit einer anderen an seiner Kleidung noch schwerer. Wie soll es dann also erst sein, wenn man richtig viele davon an sich hat?


Es besteht die Möglichkeit, in dem Park in einem Baumhaus zu übernachten um bei einer nächtlichen Tour weitere Tiere zu entdecken.

Als wir den Park verließen, begann es zu regnen... Wir warteten unter einem Unterstand auf ein Trotro, welches uns zurück nach Cape Coast brachte und von dort ging es in einem andere weiter nach Agona Swedru. Jedenfalls war es so angedacht, doch hielten wir drei Mal, da der Motor komische Geräusche machte und beim letzen Stopp schien ein Rad Probleme zu machen, so dass wir aussteigen und auf ein anderes Trotro warten mussten, welches uns mitnehmen konnte. Dies ist üblicherweise nichts, worüber man sich freut, doch fand ich es interessant, dies auch einmal mitzuerleben. Nach längerer Zeit als gedacht kamen wir doch wieder zu zuhause an.

Dienstag, 1. November 2011

Volleyball-Competition oder: Per Truppentransport zum Einsatzort

Ich hatte ja angedacht, dass ich mich hier in der Schule im Sportunterricht einbringen könnte. Soweit war es auch schon fast, doch mehr, als mir lieb war. Eines Tages begleitete ich nach dem eigentlichen Unterricht die anderen Sportlehrer auf den Sportplatz, um mit den Schülern Volleyball spielen zu können. Was die Jungen zu bieten hatten sah schon ganz gut aus, bei den Mädels wurde nicht so viel und hart geschmettert. Der Lehrer, der die beiden Gruppen leitet fragte mich dann, zu welcher Gruppe ich lieber würde. Bei den Jungen wollte ich mich zuerst probieren - da könnte ich vielleicht selber noch manches lernen, was ich dann zuhause beim Volleyball spielen nutzen könnte.

Der Lehrer nimmt mich also mit zu den Jungen und sagt: "This is your new coach." Oh, das kam überraschend... Sie schauten mich auch interessiert an, was ich ihnen denn nun sagen würde. Um das Beste draus zu machen, sagte ich, dass sie ja wie immer trainieren könnten und ich dabei mitmachen würde um ihr System kennenzulernen. Beim Einspielen merkte ich aber schon, dass mich am Ehesten als Mitspieler als als Trainer einbringen könnte, was ich später auch dem Lehrer sagte. Ich habe mich ja schon ein bisschen doof gefühlt, als mir beim Zuspielen zum Steller und bei seinem Rückspiel zu mir zum Schlagen der Ball auf den Kopf plumpste... :)

Ich erfuhr dann auch, dass die Schüler nur noch bis zur nächsten Woche trainieren würden, da dann eine Volleyball-Competition gegen andere Schulen stattfinden würde und danach eine andere Sportart trainiert werden würde. Also wohl auch kein spielen für mich. Mal gucken, ob sich noch irgendetwas findet.

Der Wettkampf fand dann doch nicht wie geplant, sondern zwei Wochen später statt. Ich begleitete unsere Mädels und Jungen mit den anderen Sportlehrer zu einer nahegelegenen Schule, auf deren Sportplatz die Spiele stattfanden. Für meinen Mitfreiwilligen war dies nicht der erste Wettkampf - er hatte schon die Hand- und Basketballer begleitet. Daher wusste er auch davon zu berichten, dass sie bei einer Fahrt in einer Art Vieh- oder Truppentransporter unterwegs waren. Das klang interessant. Zuhause bin ich ja auf Sicherheit im Straßenverkehr bedacht, doch sieht man hier öfters Menschen, die auf den Ladeflächen von LKW stehen und das hat mich schon gereizt. Doch daraus wurde nichts. Auf den Wagen kamen nur die Schüler, wir Sportlehrer wurden mit einem Geländewagen (fünf Sitze) der Schule gefahren. Hinten zu fünft, auf dem Beifahrersitz zwei und der Fahrer alleine auf seinem Sitz. Toll, was alles möglich ist! :)

Beim Turnier habe ich mich die meiste Zeit unter den Schatten spendenden Zelten aufgehalten und unseren Mannschaften zugesehen. An der gastgebenden Schule ist auch ein Freiwilliger, der dann auch da war. Ihm ging es aber gar nicht gut, so dass mein Freiwilligen-Kollege ihn nach Hause bringen wollte. Er kam nach einigen Stunden noch immer nicht zurück, so dass ich ihn anrief. Wie ich es vermutet hatte: Sie waren im Krankenhaus. Lungenentzündung. Später wurde er noch in ein Krankenhaus nach Accra überführt - mittlerweile geht es ihm aber wieder gut.

Unsere Jungen schieden leider beim Turnier aus, unsere Mädels kamen weiter und durften am nächsten Tag wieder spielen. Bei dem Turnier handelte es sich um eines in der Central-Region (es gibt zehn Regionen in Ghana; vergleichbar mit unseren Bundesländern), in der ich wohne und auch meine Schule ist. Diese Region wurde für das Turnier noch einmal in kleinere Bereiche geteilt, so dass nicht so viele Mannschaften an einem Ort spielen mussten. Am folgenden Tag war dann das Turnier für die gesamte Central-Region, bei dem unsere Mädchen-Mannschaft also mitmischen durfte.

Am folgenden Tag wurde mein Wunsch wahr. Wir kamen alle auf den Truppentransporter und fuhren zum etwa eine halbe Stunde entfernten Einsatzort. Die Ladefläche war mit Holz überdacht und zur Fahrtrichtung waren Latten in Aussparungen gelegt, auf die sich die Schüler setzen. Bei der letzten Aussparung fehlte die Latte, doch wurde eine geholt, die allerdings zu lang war, so dass sie einfach auf die Umrandung der Ladefläche gelegt wurde. Das war dann der Sitzplatz für meinen Mitfreiwilligen und mich. Toll, es kann losgehen. Von der Schule zur nächsten asphaltierten Straße führt nur eine nicht-asphaltierte Straße - dementsprechend sah ich nach der Kurzen Strecke auch aus. Meine Kleidung also vom Staub angebräunt und meine Haut von unseren eigenen Fahrzeugabgasen beziehungsweise vom Ruß angeschwärzt. Hinten wurde man damit gut versorgt. Festhalten musste man sich auch gut, da es auf vielen Straßen Schlaglöcher gibt, die entweder umfahren oder - wenn es zu viele sind - auch durchfahren werden. Gut, habe ich das auch mal erlebt - in der Fahrerkabine ist es beim nächsten Mal sicher auch ganz nett.

Unser Truppentransporter

Toll fand ich, dass die Schülerinnen die ganze Zeit über gesungen und dazu rhythmisch mit Holzstäben gegen das Holzdach schlugen. Das verbreitete gute Stimmung und alle Passanten schauten uns interessiert nach :)

Zum Aufwärmen spielte ich mich mit den Mädels auch warm - was eigentlich nicht nötig war - warm war es genug. Ich war über jedes Wölkchen glücklich (hier gab es keine Zelte für die Zuschauer) und stand später mit langer Hose, langem Oberteil, Cappy und Taschentuch unter Cappy und im Nacken bei den Spielen.




Das Letzte haben unsere Mädels leider nicht gewonnen, so dass sie nicht weiter beim Turnier dabei waren, doch finde ich das auch schon eine gute Leistung, bei der Bestenauswahl eines "Bundeslandes" mitgespielt zu haben. Für sie war es wohl auch aufregend, doch herrschte danach nicht viel Trauer und es ging guter Stimmung zurück im Truppentransporter - wieder auf der Laderampe. Auf der Hinfahrt waren wir etwa 20 Personen, auf der Rückfahrt waren es bestimmt 40, da noch viele Schüler mit zurückgenommen wurden, die im Laufe des Tages als Zuschauer dazukamen. Dieses Mal saß ich vorne auf der Laderampe. Auf die Abgase musste ich auch hier nicht verzichten. Um 18 Uhr kam ich nach einem langen aber schönen Tag nach Hause - ohne weiteren Sonnenbrand - den hatte ich mir schon am Vortag nach kurzer Zeit in der Sonne eingefangen.

... und noch ein Bild abseits des Spielgeschehens.

Montag, 24. Oktober 2011

Ein Tag wie heute

Ein Tag wie heute - doch wie sieht hier überhaupt ein Tag für mich aus?

Unter der Woche versuche ich nun regelmäßig joggen zu gehen. Mal mit meinem Gastbruder, mal ohne. Dazu stehe ich um fünf Uhr auf und 15 Minuten später geht es dann raus in die Dunkelheit. Bislang sind es nur kurze Strecken, so dass ich etwa 20-25 Minuten unterwegs bin. Auf der Hauptstraße kann man zu dieser Zeit laufen, da noch nicht viel Verkehr ist.

Was ich zu dieser Uhrzeit interessant finde, ist, dass ich Menschen gesehen habe, die vor ihren Shops und auf der Straße kehren. Es ist nämlich so, dass viel täglicher Abfall auf der Straße landet. Ich ging bislang davon aus, dass die Straßen nur von der zuständigen Reinigungsfirma für die Stadt in Intervallen gereinigt wird und sich bis dahin der Müll ansammelt. Allerdings sieht es morgens nach den privaten Reinigungen schon besser aus.

Trotz kurzer Strecke und angenehmer Kühle am Morgen, komme ich doch gut ins Schwitzen, so dass die anschließende Dusche lohnenswert ist. Mir wird dann mein Frühstücke von meiner Gastmutter gebracht und gegen 6:50 Uhr bin ich soweit fertig, dass ich das Haus verlassen kann und - wenn er nicht doch schon gefahren ist - ich auf den Schulbus warte. Kommt der Bus doch zu spät für mich, nehme ich ein Taxi für die etwa 1,5km lange Strecke. Das kostet mich 40 Pesewas (ca. 20ct). Ich steige dann an der Kreuzung aus, von der ich zu Fuß zur Schule weitergehe. Das sind etwa noch 500 weitere Meter. Ich könnte natürlich auch die ganze Strecke laufen (was ich bislang auch ein Mal gemacht habe), doch ist es schon zu dieser Uhrzeit angenehmer, sich nicht zu viel zu bewegen - schon die letzte Strecke bringt mich wieder gut auf Temperatur. Nehme ich den Bus, entfällt der Fußweg.

Ich erreiche die Schule zum Ende des Morgen-Appells, der um sieben Uhr beginnt und organisiere mir den Schlüssel für den ICT-Raum im Sekretariat. Dazu muss ich mich in einem Schlüsselbuch eintragen. Wenn ich früher da wäre, könnte ich den Raum schon früher aufsperren, damit er morgens von den Schülern ausgekehrt werden könnte. So wird es manchmal später gemacht - oder auch nicht. Damit es später gemacht wird, soll ich Schüler ins Zimmer rufen, die ihn dann säubern, womit ich mich aber bislang noch schwer tue.

Während des Unterrichtstages begleite ich ab und an Lehrer in Klassenräume wenn dort theoretischer Unterricht abgehalten wird oder verbringe den Tag auch nur im ICT-Raum, in dem ich den dort unterrichtenden Lehrern assistiere und den Schülern beim Umsetzen der gestellten Aufgaben helfe. Oder ich gebe manchmal auch selber eine Stunde. Ebenso darf ich helfen, wenn ein Rechner nicht startet oder eine Maus nicht reagiert. Findet kein Unterricht statt, bin ich mit einigen der anderen ICT-Lehrer im ICT-Raum. Dann habe ich auch die Möglichkeit, mich um die Rechner zu kümmern und installiere beispielsweise benötigte Programme - allerdings leider per Turnschuhnetzwerk, was bedeutet, dass ich dazu von PC zu PC gehe und an jedem die selben Schritte ausführe. Ich hoffe, dass ich dafür noch eine bessere Lösung finde.

ein üblicher Klassenraum
ICT-Raum











Manchmal kommen auch andere Lehrer, doch meistens Schüler in der Computer-Raum, um einige Dinge zu üben. Bei den Schülern handelt es sich dabei vornehmlich um Tastschreiben.

Montags und donnerstags gibt es immer kostenfreies Essen für die Lehrer. An den anderen Tagen muss man aber auch nicht verhungern - da lässt sich zum Beispiel ein Teller Reis oder Nudeln mit Sauce für einen Cedi (50ct) bei Damen an Essensständen auf dem Schulgelände kaufen. Dieses wird dann üblicherweise von einem Schüler zum gewünschten Ort gebracht, an dem man essen möchte. In meinem Fall im Lehrerzimmer, da ich dann auch mal wieder die anderen Lehrer sehe, weil ich ja die meiste Zeit im ICT-Bereich verbringe. Die meisten Lehrer rufen sich aus dem Lehrerzimmer einen Schüler um sich Essen oder Wasser bringen zu lassen, was hier nicht unüblich ist (ich will mal sehen, ob ich mich zu diesen Umständen in einem weiteren Beitrag äußern werde).

Ein mal hatte ich das Glück, nachdem ich am Ende des Schultages (um 15 Uhr) den Schlüssel zurückgegeben hatte, wieder mit dem Schulbus fahren zu können. Dieser kam aufgrund des starken Verkehrs jedoch nur sehr langsam voran, so dass ich unterwegs ausstieg und nachhause ging. Üblicherweise laufe ich sowieso; in seltenen Fällen nehme ich auch für den Rückweg wieder ein Taxi.

Wieder zuhause angekommen, gehe ich in den familieneigenen Shop und begrüße dort einige Familienmitglieder, da dies außerdem ein Ort ist, an dem sich öfters mehrere Leute aufhalten - Familienmitglieder, Freunde, Shopnachbarn. Im dahinter liegenden Wohnbereich gehe ich in mein Zimmer, um mich dort umzuziehen, da ich in langer Hose und mit Hemd und Unterhemd nicht den ganzen Tag unterwegs sein möchte. Anschließend ruhe ich mich etwas aus und treffe mich danach mit anderen Voluntären, unterhalte mich einfach mit meinem Gastbruder oder gehe auch mit ihm oder alleine ab und an ins Internet-Café.

Wenn ich wieder zuhause bin, erhalte ich mein Abendessen, welches ich wie schon das Frühstück alleine in meinem Zimmer zu mir nehme. Dies ist nicht in jeder Familie üblich, doch essen in meiner Gastfamilie nicht alle zusammen, sondern eher jeder für sich wenn es ihm passt oder er Hunger hat. Abends sitzt ein Großteil der Familie im Wohnzimmer (hall - Saal genannt, was es mit dem Steinfußboden auch besser trifft) und schaut Fernsehen. Manchmal setze ich mich dazu und schaue mit. Zumeist werden dort Serien/Soaps oder Nachrichten eingeschaltet. Richtige Filme laufen zu der Zeit entweder nicht, oder es möchte lieber das andere Programm geschaut werden.

Gegen 21 Uhr versuche ich immer ins Bett zu kommen, wobei es die letzten Tage doch später geworden ist. Zuvor nehme ich noch eine zweite tägliche Dusche. Im Bett höre ich oftmals noch Musik und bereite mich dann die nächsten Stunden auf den kommenden Tag vor.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Mobilfunk und Werbung

Werbung gibt es wahrscheinlich überall auf der Erde. Hier somit natürlich auch. Es gibt auch flackernde und sich ändernde Leuchtreklamen, doch möchte ich in diesem Artikel unter anderem gerne etwas über ruhigere aber nicht gerade dezentere Werbung schreiben.

In möglicherweise den meisten afrikanischen Ländern, aber wohl in Ghana, sind Festnetzanschlüsse fürs telefonieren nicht sehr verbreitet, weil dafür oftmals die Infrastruktur fehlt. Meine Gastfamilie hatte bis vorheriges Jahr ein Festnetztelefon, doch gab es letztes Jahr eine große Flut in Agona Swedru, seitdem haben sie kein Festnetztelefon mehr mit Kabel – sondern eines mit einer SIM-Karte und einer Festnetz-Nummer – und dieses Telefon ist ohne Kabel. Also ist es eigentlich wie ein Handy in Festnetztelefon-Größe.

Am verbreitetsten sind hier eher Handys, da man für dessen Anschluss keine Kabel zu jedem Teilnehmer legen muss, sonder nur Funkmasten aufstellen muss, um damit einen bestimmten Bereich abzudecken. Die beiden großen Mobilfunkanbieter sind hier Vodafone und MTN (was jedenfalls durch deren Werbung zu vermuten ist). Ansonsten gibt es auch noch airtel, tigo und Expresso. Es scheint mir nicht unüblich zu sein, dass man mehrere Handynummern hat, um in mehreren Netzen beheimatet zu sein. Das mag einerseits nützlich sein, wenn es gerade Probleme mit dem Empfang bei dem einen Anbieter geben sollte, doch dürfte der Hauptgrund darin liegen, dass es günstiger ist, andere Leute mit einer Nummer vom selben Netzanbieter anzurufen. Die entsprechenden SIM-Karten müssen auch erst einmal gekauft werden, doch sind diese äußerst erschwinglich. Eine Karte kostet 1-1,50 Cedi, was etwa 0,50-0,75€ entspricht. Diese Karten werden dann in einzelnen Handys verwendet, oder was es einfacher macht, ist ein Handy zu verwenden, welches zwei SIM-Karten aufnimmt. In Deutschland ist es schwierig so eines zu finden – hier findet man fast kein anderes. Mit solch einem Handy ist man dann über beide Nummern gleichzeitig erreichbar und kann beim Anrufen je nach Taste wählen, über welche Karte man telefonieren möchte.
Da die meiste Telefonie über die Mobilfunkanbieter läuft, ist dieser Markt heiß umkämpft. Dementsprechend viel Werbung sieht man von den Anbietern. So ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Haus als Werbefläche herhalten darf. Dies kann beispielsweise ein Privathaus sein und ist dann z. B. in dem Vodafone-Farbton gestrichen und mit dem Logo versehen. Die Farbe und das Logo wird von Vodafone dafür gestellt (ob der Hauseigentümer selber streicht oder das auch eine von dem jeweiligen Anbieter beauftragte Firma übernimmt, weiß ich nicht, könnte ich mir aber vorstellen). Außerdem erhält der Hausbesitzer natürlich Geld dafür, sein Haus als Werbefläche zur Verfügung zu stellen. Am ehesten sieht man Vodafone-Häuser, doch gibt es auch gelb gestrichene und mit Logo versehene Häuser in MTN-Farben oder auch Coca Cola-Häuser.
 



Im Fernsehen ist die Werbung auch stark vertreten. In den Werbeblöcken ist etwa jeder zweite oder dritte Spot einer eines Mobilfunkanbieters. Manchmal habe ich auch schon einen Transporter gesehen, der für tigo durch die Stadt fährt und auf dessen Ladefläche einige dicke Boxen stehen, aus denen laute Musik dröhnt und Werbe-Rufe zu hören sind. Auf der Ladefläche fahren auch mehrere tigo-Mitarbeiter mit. An diese kann man sich wenden, um eine SIM-Karte des Anbieters zu kaufen.

Üblicherweise handelt es sich bei den SIMs um PrePaid-Karten. Dass man diese wie bei uns auch über das Internet aufladen könnte, ist mir nicht bewusst, doch ist das auch nicht wirklich nötig, denn an jeder Ecke gibt es kleine Stände, an denen Auflade-Codes der Anbieter verkauft werden. Und zwischen den Ecken gibt es auch noch welche. Man kann in der Stadt keine 100m gehen, ohne an solchen Ständen vorbeizukommen. Äußerst praktisch.

Ich habe übrigens eine Vodafone-Nummer, doch soll das MTN-Netz hier besser sein. Ein Anruf im deutschen Festnetz ist aber nicht teuer. So hat mich ein 16-Minuten-Anruf umgerechnet nur 1,10€ gekostet – wobei das von der Tageszeiten her auch unterschiedlich sein kann. Eine Preisliste war von Vodafone allerdings nicht zu bekommen...