Ich wurde von einigen gefragt, wie man denn Geburtstage in Ghana feiert. Was ich dazu jedenfalls aus meiner Gastfamilie berichten kann: gar nicht. Von meinem Gastvater erfuhr ich erst, dass er Geburtstag hatte, als es schon zu spät war. Die nachträglichen Glückwünsche fand er nett, meinte aber halt, dass Geburtstage einfach normale Tage seien und somit nicht gefeiert werden.
Bei meinem Gastbruder habe ich es morgens kurz bevor ich zur Schule ging erfahren. Am Nachmittag brachte ich ihm dann dennoch eine Kleinigkeit mit und gab ihm außerdem etwas aus meinem Haribo-Vorrat. Das kam gut an.
Kurz bevor mein kleinster Gastbruder Geburtstag hatte, sahen wir im Fernsehen Werbung für einen Kinder-Spiel-Tag in Accra. Prima Idee für seinen Geburtstag. Am kommenden Samstag (seinem Geburtstag) ging es los. Wir waren zu fünft: mein kleinster Geburtstagsgastbruder, seine Schwester, ein anderes Mädel aus unserem Haushalt, mein Bruder, der gerade aus der Heimat zu Besuch war und ich. Die Fahrt war aufwändig – wir fuhren mit zwei Trotros und einem Taxi zum Messegelände Accras. Dort war viel los. Es fand dort eine Kirchenveranstaltung statt. Von Kindern war wenig zu sehen. Unschön. Um dann das Beste aus dem Tag zu machen, schlug ich vor, zum Strand zu fahren. So hatte mein Bruder auch die Möglichkeit, den Black Star zu sehen zu bekommen. Am Strand hatten wir mit dem Wasser dann unseren Spaß; die beiden Kleinen am meisten. Bei einer Welle, die das Wasser weiter als üblich über den Sand schob, wurden unsere Rucksäcke unter Wasser gesetzt und meine Gastschwester nutzte die Gelegenheit, um in dem Wasser vor Schreck ihr neues Handy zu versenken (es funktioniert aber wieder!).
Am nächsten Tag rief mich mein Gastvater abends in die Hall. Er hatte einen Beitrag über den Spaß-Tag im Fernsehen gesehen. Er hatte am Sonntag stattgefunden. Sehr seltsam. Aber wir hatten Tags zuvor ja auch so Spaß :)
Ja, aber wie war denn nun mein Geburtstag? Morgens ging ich erst mal mit meinem Bruder zur Schule. Dort und später zuhause ereignete sich nichts weiter. Von meinem Gastbruder und einer Freundin von ihm bekam ich allerdings ein Geschenk. Einen güldenen Bilderrahmen mit einem Geburtstagsgebet darauf und als Höhepunkt einen kleinen Werkzeugkasten. Das gefiel mir.
Für abends hatte ich alle Mitfreiwilligen und einige ghanaische Freunde in einen Spot geladen. Zuerst unterhielten wir uns gemütlich und naschten von auf den Tischen verteilen Erdnüssen und Haribo (ja, die kommen immer gut an). Später wurde zu lauter Musik (die typische überall zu hörende Azonto-Musik – dazu einige Beispiele in einem späteren Beitrag) getanzt. Polonaisen lassen sich dazu übrigens auch tanzen. Nun folgte noch ein Höhepunkt – immerhin für meine Gäste: die traditionelle ghanaische Geburtstagsdusche.
Die hatte ich schon bei anderen Freiwilligen zuvor erleben dürfen; nun war ich dran. Irgendwann während des Tanzens sah ich einige mit einem Eimer Wasser auf mich zustürmen und dann war es auch schon zu spät: Pitsche-Patsche-Nass. Vorsorglich hatte ich zuvor ein anderes Oberteil eingesteckt, doch war es nun doch ganz angenehm, so dass ich mein nasses Oberteil anbehielt.
Ich hatte hatte auch ein paar Geschenke bekommen. Essensgutscheine und Stoffe um mir daraus Kleidung schneidern zu lassen. Besonders cool fand ich den Stoff von dem Mitfreiwilligen meiner Schule. Dieser ist nämlich einer, auf dem das Schullogo aufgedruckt ist. Ein Hemd aus dem Stoff wollte ich mir schon länger schneidern lassen, nun kann's losgehen. Das mit den bedruckten Stoffen sieht man hier übrigens häufig. So gibt es welche von Kirchengemeinden, Supermärkten oder anderen Einrichtungen.
Zusammengefasst kann ich für mich zu Geburtstagen in Ghana jedenfalls sagen: Entweder wird nix gemacht, oder man wird nass gemacht.
Montag, 28. Mai 2012
Donnerstag, 17. Mai 2012
Gastbeitrag: Brüderlicher Besuch
Um die “Tradition” fortzuführen, werde ich (Anm.: mein Bruder), genau wie Jörns Freundin auch, einen Gastbeitrag für seinen Blog schreiben.
Ankunft am 1.5.2012. Nachdem mein geplanter Flug (statt mit KLM über Amsterdam flog ich nun mit Lufthansa über Frankfurt a. M.) umgebucht wurde, ich jedoch trotzdem problemlos und zügig (nach ca. 7 Std.) in Accra ankam, wartete Jörn schon am Flughafen auf mich, wo mir sehr feuchtwarme Luft entgegenschlug. Wir verbrachten die erste Nacht in einem Mehrbettzimmer in einem Hostel in Accra.
Am nächsten Tag lernte ich Jörns Gastfamilie kennen, die mich mit viel Herzlichkeit und Freundlichkeit begrüßten. In den darauf folgenden Tagen hatte ich Zeit, die Stadt Agona Swedru und ihre Menschen kennen zu lernen. Viele Dinge sind sehr gewöhnungsbedürftig, von denen Jörn hier aber schon vieles beschrieben hat (Trotro-Fahrten, Straßenhändler, Verkehr, etc.).
Die erste Woche war also für mich eine Eingewöhnungswoche, in der wir unter anderem zum Baden nach Accra gefahren sind (um Jörns Gastbruder Moses an seinem Geburtstag eine Freude zu bereiten) und uns auch mit anderen Freiwilligen und Freunden getroffen haben. Wir machten aus frischen Früchten vom Markt erfrischende Fruchtsäfte. Banane, Mango, Melone, Apfel, Ananas und Orangen wurden wild mit Erdnussbutter und Honig gemischt. Lecker!!!
Unser Trip
Um nun auch der Natur näher zu kommen und noch andere Teile des Landes zu sehen, starteten wir in der zweiten Woche unseren Trip durch (Süd-)Ghana. Dabei brachen wir am 7.5. mit dem Trotro nach Cape Coast auf. Da wir erst abends ankamen, checkten wir nur noch in einem kleinen Hostel ein und gingen in einen Spot, um etwas zu essen und zu trinken. Mein erstes ghanaisches Bier (Star beer – eigentlich ganz gut, aber nicht so spritzig). Am nächsten Tag fuhren wir früh morgens nach Elmina, welches nicht weit von Cape Coast entfernt liegt. Dort besuchten wir eine ehemalige Sklavenburg. Hier wurden die gefangenen Sklaven aus dem Norden zusammengetrieben und bis zu ihrem Abtransport nach Nord- und Südamerika und Europa einquartiert. Hier hörten wir viele schreckliche Stories über Hinrichtungen, Vergewaltigungen oder auch der “Door of no return”, welche den Zugang zu den Sklavenschiffen darstellte...
Weiter ging es am gleichen Tag nach Kumasi Richtung Norden. Kumasi ist die zweitgrößte Stadt Ghanas und beheimatet gleichzeitig den größten Markt Westafrikas (10 ha), den wir natürlich besuchten. Hier kann man eigentlich alles finden, was man sucht. In meinem Fall waren das ein Fußballtrikot von Ghana (den Blackstars), einen Stoff, um mir etwas schneidern zu lassen und natürlich Essen an den zahlreichen Straßenständen. Hier zeigte ich auch zum ersten Mal mein unglaubliches Verhandlungsgeschick und konnte den Preis des Trikots um drei Cedi auf sieben Cedi drücken (ca. 3€ und 'n Bisschen). Zuvor besuchten wir noch einen kleinen National-Park (Bubiri Wildlife Sanctuary) in der Nähe von Kumasi. Obwohl dieser Park keine spektakulären Tiere zu bieten hat, beeindruckten mich die riesigen Bäume, zu denen uns der Guide viel erzählen konnte. Neben der heimischen und der lateinischen Bezeichnung nannte er uns auch deren Verwendungszweck. Natürlich hat auch jede Pflanze eine medizinische Verwendung...
Kurz vor unserer Abreise aus Kumasi stießen wir noch auf einen alten stillgelegten Bahnhof, der unsere Neugier weckte. Nach einem kurzen Gespräch mit dort lebenden Menschen führte uns ein ehemaliger Angestellter der Bahn (seit ca. 25 Jahren existiert diese Bahnstrecke, wie wahrscheinlich in ganz Ghana, nicht mehr) herum. Wir konnten alte interessante Maschinen und einen Personenwagon besichtigen.
Nach den zwei ereignisreichen Tagen Aufenthalt in Kumasi fuhren wir am Donnerstag weiter nach Koforidua. Leider konnten wir das von uns auserwählte Hotel auch nach zwei Stunden nicht finden (die von uns nach dem Weg gefragten Ghanaer waren bemüht uns zu helfen, kannten sich letztendlich aber selber leider gar nicht aus) und checkten dann entnervt in einem anderen Hostel ein.
Am nächsten Tag war der Akaa-Wasserfall ganz in der Nähe unser Ziel. Bei Ankunft mussten wir einer Dame des Dorfes Geld geben und konnten uns dann auf Wanderung begeben. Die Regenzeit beginnt gerade erst und der Wasserfall führte daher leider nur sehr wenig Wasser. Dies schadetet der Schönheit der Landschaft jedoch nicht und wir konnten so Stellen betreten, die in der Regenzeit sicherlich nicht zugänglich sind. Wir machten auf einem Felsen Rast. Es begann zu regnen und wir konnten eine herrlich gemütliche Atmosphäre hoch oben über dem Regenwald, auf einem Felsen und vor Regen geschützt, sitzend genießen. So stelle ich mir den Regenwald vor. Einzigartig!
Am gleichen Tag führte uns unsere Reise in die Stadt Ho, die in der Volta-Region liegt. Auch hier konnten wir nicht in dem von uns ausgewählten Hostel (20-Betten-Schlafraum) übernachte, da keine Betten mehr frei waren. Ein freundlicher Straßenhändler führte uns dann zu einem anderen. Ho war der Ausgangspunkt für unsere letzte Etappe am Samstag. Von hier aus ging es wieder weiter in den Norden, wo wir eine Park besuchten (Monkey Sanctuary) in dem wir Affen fütterten. Da sie an Menschen gewöhnt sind, setzten sie sich sogar auf den Arm, um die Bananen zu bekommen. Die größeren (älteren) Affen jedoch blieben lieber in sicherem Abstand in ihren Bäumen sitzen. Evtl. waren es doch Angsthasen und keine Affen ;-)
Weiter ging es wieder Richtung Süden. Das letzte Ziel unserer Reise war der Kalapka-Nationalpark. Hier führte uns ein Guide bei geschätzten 40°C und 100% Luftfeuchte. Da der Guide zum Schutz ein Gewehr dabei hatte, waren unsere Erwartungen hoch, auch große Tiere zu sehen. Leider konnten wir bis auf einige Affen, Vögel und Eichhörnchen keine entdecken, da diese sich in der Mittagshitze in schattigen Verstecken aufhielten. Mit dem Moto (zu dritt auf einem Motorrad-Taxi) ging es dann wieder zurück und wir machten uns auf den Weg nach Accra. Eigentlich hatten wir vorgehabt noch eine weitere Burg zu besuchen, da es sich jedoch äußerst schwierig gestaltete, so spät am Tag noch ein passendes Trotro zu bekommen (1. Trotro: war voll und wir bekamen keinen Platz mehr. 2. Trotro: wir bekommen einen Platz, aber die Insassen wollten weniger zahlen als gefordert, also fuhr der Fahrer ohne Gäste davon^^. 3. Trotro: wieder voll. Dann einen Bus genommen, in dem ich mich auf den Boden setzen musste...), verwarfen wir unseren Plan und kehrten nach einer sehr stressigen Fahrt nach Swedru zurück. Am Sonntag erholten wir uns von unserem anstrengenden aber sehr interessanten und spannenden Trip.
Die nächsten zwei Tage werde ich Jörn noch mit in die Schule begleiten, da jetzt die Ferien beendet sind und er auch wieder unterrichten wird. Am Mittwoch den 16.5. geht es für mich dann wieder zurück nach Hannover. Vorher versuchen wir noch eine Kakao-Plantage zu besuchen. Mal sehen ob das klappt.
Bis dahin. Es war eine sehr schöne und ereignisreiche Zeit in Ghana.
Außerdem wünsche ich auch meinem Brüderchen noch alles Gute für seine letzte 2,5 Monate...
Ankunft am 1.5.2012. Nachdem mein geplanter Flug (statt mit KLM über Amsterdam flog ich nun mit Lufthansa über Frankfurt a. M.) umgebucht wurde, ich jedoch trotzdem problemlos und zügig (nach ca. 7 Std.) in Accra ankam, wartete Jörn schon am Flughafen auf mich, wo mir sehr feuchtwarme Luft entgegenschlug. Wir verbrachten die erste Nacht in einem Mehrbettzimmer in einem Hostel in Accra.
Am nächsten Tag lernte ich Jörns Gastfamilie kennen, die mich mit viel Herzlichkeit und Freundlichkeit begrüßten. In den darauf folgenden Tagen hatte ich Zeit, die Stadt Agona Swedru und ihre Menschen kennen zu lernen. Viele Dinge sind sehr gewöhnungsbedürftig, von denen Jörn hier aber schon vieles beschrieben hat (Trotro-Fahrten, Straßenhändler, Verkehr, etc.).
Die erste Woche war also für mich eine Eingewöhnungswoche, in der wir unter anderem zum Baden nach Accra gefahren sind (um Jörns Gastbruder Moses an seinem Geburtstag eine Freude zu bereiten) und uns auch mit anderen Freiwilligen und Freunden getroffen haben. Wir machten aus frischen Früchten vom Markt erfrischende Fruchtsäfte. Banane, Mango, Melone, Apfel, Ananas und Orangen wurden wild mit Erdnussbutter und Honig gemischt. Lecker!!!
Unser Trip
Um nun auch der Natur näher zu kommen und noch andere Teile des Landes zu sehen, starteten wir in der zweiten Woche unseren Trip durch (Süd-)Ghana. Dabei brachen wir am 7.5. mit dem Trotro nach Cape Coast auf. Da wir erst abends ankamen, checkten wir nur noch in einem kleinen Hostel ein und gingen in einen Spot, um etwas zu essen und zu trinken. Mein erstes ghanaisches Bier (Star beer – eigentlich ganz gut, aber nicht so spritzig). Am nächsten Tag fuhren wir früh morgens nach Elmina, welches nicht weit von Cape Coast entfernt liegt. Dort besuchten wir eine ehemalige Sklavenburg. Hier wurden die gefangenen Sklaven aus dem Norden zusammengetrieben und bis zu ihrem Abtransport nach Nord- und Südamerika und Europa einquartiert. Hier hörten wir viele schreckliche Stories über Hinrichtungen, Vergewaltigungen oder auch der “Door of no return”, welche den Zugang zu den Sklavenschiffen darstellte...
Weiter ging es am gleichen Tag nach Kumasi Richtung Norden. Kumasi ist die zweitgrößte Stadt Ghanas und beheimatet gleichzeitig den größten Markt Westafrikas (10 ha), den wir natürlich besuchten. Hier kann man eigentlich alles finden, was man sucht. In meinem Fall waren das ein Fußballtrikot von Ghana (den Blackstars), einen Stoff, um mir etwas schneidern zu lassen und natürlich Essen an den zahlreichen Straßenständen. Hier zeigte ich auch zum ersten Mal mein unglaubliches Verhandlungsgeschick und konnte den Preis des Trikots um drei Cedi auf sieben Cedi drücken (ca. 3€ und 'n Bisschen). Zuvor besuchten wir noch einen kleinen National-Park (Bubiri Wildlife Sanctuary) in der Nähe von Kumasi. Obwohl dieser Park keine spektakulären Tiere zu bieten hat, beeindruckten mich die riesigen Bäume, zu denen uns der Guide viel erzählen konnte. Neben der heimischen und der lateinischen Bezeichnung nannte er uns auch deren Verwendungszweck. Natürlich hat auch jede Pflanze eine medizinische Verwendung...
Kurz vor unserer Abreise aus Kumasi stießen wir noch auf einen alten stillgelegten Bahnhof, der unsere Neugier weckte. Nach einem kurzen Gespräch mit dort lebenden Menschen führte uns ein ehemaliger Angestellter der Bahn (seit ca. 25 Jahren existiert diese Bahnstrecke, wie wahrscheinlich in ganz Ghana, nicht mehr) herum. Wir konnten alte interessante Maschinen und einen Personenwagon besichtigen.
Nach den zwei ereignisreichen Tagen Aufenthalt in Kumasi fuhren wir am Donnerstag weiter nach Koforidua. Leider konnten wir das von uns auserwählte Hotel auch nach zwei Stunden nicht finden (die von uns nach dem Weg gefragten Ghanaer waren bemüht uns zu helfen, kannten sich letztendlich aber selber leider gar nicht aus) und checkten dann entnervt in einem anderen Hostel ein.
Am nächsten Tag war der Akaa-Wasserfall ganz in der Nähe unser Ziel. Bei Ankunft mussten wir einer Dame des Dorfes Geld geben und konnten uns dann auf Wanderung begeben. Die Regenzeit beginnt gerade erst und der Wasserfall führte daher leider nur sehr wenig Wasser. Dies schadetet der Schönheit der Landschaft jedoch nicht und wir konnten so Stellen betreten, die in der Regenzeit sicherlich nicht zugänglich sind. Wir machten auf einem Felsen Rast. Es begann zu regnen und wir konnten eine herrlich gemütliche Atmosphäre hoch oben über dem Regenwald, auf einem Felsen und vor Regen geschützt, sitzend genießen. So stelle ich mir den Regenwald vor. Einzigartig!
Am gleichen Tag führte uns unsere Reise in die Stadt Ho, die in der Volta-Region liegt. Auch hier konnten wir nicht in dem von uns ausgewählten Hostel (20-Betten-Schlafraum) übernachte, da keine Betten mehr frei waren. Ein freundlicher Straßenhändler führte uns dann zu einem anderen. Ho war der Ausgangspunkt für unsere letzte Etappe am Samstag. Von hier aus ging es wieder weiter in den Norden, wo wir eine Park besuchten (Monkey Sanctuary) in dem wir Affen fütterten. Da sie an Menschen gewöhnt sind, setzten sie sich sogar auf den Arm, um die Bananen zu bekommen. Die größeren (älteren) Affen jedoch blieben lieber in sicherem Abstand in ihren Bäumen sitzen. Evtl. waren es doch Angsthasen und keine Affen ;-)
Weiter ging es wieder Richtung Süden. Das letzte Ziel unserer Reise war der Kalapka-Nationalpark. Hier führte uns ein Guide bei geschätzten 40°C und 100% Luftfeuchte. Da der Guide zum Schutz ein Gewehr dabei hatte, waren unsere Erwartungen hoch, auch große Tiere zu sehen. Leider konnten wir bis auf einige Affen, Vögel und Eichhörnchen keine entdecken, da diese sich in der Mittagshitze in schattigen Verstecken aufhielten. Mit dem Moto (zu dritt auf einem Motorrad-Taxi) ging es dann wieder zurück und wir machten uns auf den Weg nach Accra. Eigentlich hatten wir vorgehabt noch eine weitere Burg zu besuchen, da es sich jedoch äußerst schwierig gestaltete, so spät am Tag noch ein passendes Trotro zu bekommen (1. Trotro: war voll und wir bekamen keinen Platz mehr. 2. Trotro: wir bekommen einen Platz, aber die Insassen wollten weniger zahlen als gefordert, also fuhr der Fahrer ohne Gäste davon^^. 3. Trotro: wieder voll. Dann einen Bus genommen, in dem ich mich auf den Boden setzen musste...), verwarfen wir unseren Plan und kehrten nach einer sehr stressigen Fahrt nach Swedru zurück. Am Sonntag erholten wir uns von unserem anstrengenden aber sehr interessanten und spannenden Trip.
Die nächsten zwei Tage werde ich Jörn noch mit in die Schule begleiten, da jetzt die Ferien beendet sind und er auch wieder unterrichten wird. Am Mittwoch den 16.5. geht es für mich dann wieder zurück nach Hannover. Vorher versuchen wir noch eine Kakao-Plantage zu besuchen. Mal sehen ob das klappt.
Bis dahin. Es war eine sehr schöne und ereignisreiche Zeit in Ghana.
Außerdem wünsche ich auch meinem Brüderchen noch alles Gute für seine letzte 2,5 Monate...
Sonntag, 29. April 2012
Fünf Anekdoten
Ob man es glaubt oder nicht, doch ist dies schon der 30. Eintrag in meinem Blog. In diesem Eintrag schreibe ich von Erlebnissen, über die ich mich wunderte oder die mich zum Schmunzeln gebracht haben.
I
Wenn man mit dem Trotro unterwegs ist, gibt es am Fenster ja oft die Möglichkeit Trinken, Essen oder Firlefanz zu kaufen. Danach muss natürlich etwas mit dem übriggebliebenen Müll anfangen. Leere Trinktüten kann man zum Beispiel einfach in die Hose stecken und zu Hause in den Abfall werfen (der dann aber bei uns neben dem Haus von Zeit zu Zeit verbrannt wird (siehe Bilder)). Oder - und das ist die übliche Vorgehensweise - man wirft den Müll einfach im Trotro auf den Boden. Das klingt auf den ersten Hör nicht so schön. Am Ende der Fahrt wird dann das Auto ausgekehrt und der Müll landet bei der Trotro-Strtion auf dem Boden. Klingt immer noch nicht gut, doch ist darin schon der Vorteil versteckt. Es gäbe nämlich noch eine dritte Möglichkeit: Während der Fahrt aus dem Fenster damit! Und dann wäre der Müll überall in der Natur (was er vieler Orts auch ist) und nicht gesammelt an einer Stelle, die auch regelmäßig gereinigt wird.
Als ich mit meiner Freundin im Trotro unterwegs war, wollte gerade ein Passagier seine Trinktüte aus dem Fenster entsorgen. Der Geld sammelnde Mate, der in jedem Trotro sitzt, sagte ihm, dass er die Tüte auf den Boden des Autos werfen wollte. Ich war begeistert. Da war noch jemand dafür, nicht noch mehr Müll ins Grüne zu werfen!
Der Fahrgast war wohl mit der Lösung nicht so glücklich und es schien ihn irgendwo zu kribbeln. Als das Trotro mal wieder hielt und Passagiere aus- und einstiegen, nutzte er seinen Fuß (da hatte es wohl gekribbelt) und kickte die leere Tüte nach draußen an die Straße. Ich hätte ihn hinterherkicken können.
II
Mein ältester Gastbruder spielt öfters Musik bei Kirchenveranstaltungen. Zu so einer lud er mich einmal ein. Gewohnt bin ich es ja schon, dass es bei so etwas immer etwas lauter ist - vor allem dann, wenn gepredigt wird. Mein Gastbruder war schon vor mir da gewesen und hatte gespielt. Als ich kam, suchte ich mir einen Platz. An dem konnte ich gut hören - oder es war eher so, dass ich das Gefühl hatte, dass die Boxen nur in meine Ohren brüllten. Nicht so schön. Während der Predigt kam mein Gastbruder, ich sagte ihm, dass es für mich doch etwas laut wäre und er nahm mich mit zu den Musikern nach hinten. Ich bekam einen Stuhl, etwas abseits der Boxen, so dass es immer noch laut war, aber besser. Da aber gerade Stromausfall war, war es doch nicht angenehmer. Nur wenige Meter von meinem neuen Platz entfernt, brummten drei Generatoren um die Wette und mit der Lautstärke hätte ich doch auch an meinem alten Platz bleiben können. Das war wohl ein klassischen Fall von "vom Regen in die Traufe".
III
Ich habe es ja ganz gern, wenn die Leute nicht sofort erkennen, dass ich ein Deutscher bin. Nicht, dass mir das peinlich oder so wäre, aber ich habe die Hoffnung, dass ich nicht wie ein Standard-Deutscher aussehe oder rumlaufe. Würde ich einen Mann mit Unterhemd, Trainingshose, Badelatschen und vielleicht noch einem Bier in der Hand sehen, würde ich mich dazu hinreißen lassen, in ihm einen Deutschen zu vermuten. Würde man mich durch einen Stereotyp als Deutschen erkennen, dann wäre mir das (je nach dem) schon peinlich.
Als meine Freundin hier war, waren wir gerade an einer Straße in der Nähe des Akosombo-Staudamms unterwegs und ich erzählte ihr davon, dass ich es ganz gerne habe, nicht gleich als Deutscher erkannt zu werden. Nach diesem Satz bemerkte ich erst bewusster, was ich an der Hand hielt. Eine Tüte. Von Edeka.
IV
Wie so üblich sind die meisten Leute um mich herum schwarz. Das ist also ein ganz normales Bild. Wenn man Weiße sieht (es gibt ja doch einige Freiwillige hier), fallen sie ins Auge - gerade, weil man hier eher Schwarze gewöhnt ist.
Ich gehe so wie üblich durch Swedru. Dabei richtete ich auch mal meine Blick auf den Boden. Das Bein, welches gerade noch hinter mir war, kam nach vorne und ich bekam einen kleinen Schreck: Huch, weiß. Ja, wenn man sonst eher schwarze Haut um einen herum gewöhnt ist... :)
V
Ich saß mal wieder so in unserem Shop und hatte miterlebt, wie ein Bus in Bulli-Größe am Straßenrand parkte und ein riesiger LKW dran vorbeifahren wollte. Der Beifahrer des LKW haute dem Klein-Bus dabei noch aus Spaß schön scheppernd aufs Dach.
Bis zu Hälfte klappte das Überholen ganz gut, doch dann kam er zu nah dran, verhakte sich und ließ den Bulli etwa einen Meter nach vorne hüpfen. Das war zwar doof gelaufen und die hintere Stoßstange des Busses war abgefallen, aber passiert halt :) Der LKW-Fahrer schaute sich das Geschehen nur aus seinem Führerhaus aus an und auch der Bus-Fahrer begutachtete den Schaden nur, befestigte die Stoßstange wieder und es konnte weitergehen (mit den Passagieren, die übrigens im Bus waren). So einfach kann es sein.
I
Wenn man mit dem Trotro unterwegs ist, gibt es am Fenster ja oft die Möglichkeit Trinken, Essen oder Firlefanz zu kaufen. Danach muss natürlich etwas mit dem übriggebliebenen Müll anfangen. Leere Trinktüten kann man zum Beispiel einfach in die Hose stecken und zu Hause in den Abfall werfen (der dann aber bei uns neben dem Haus von Zeit zu Zeit verbrannt wird (siehe Bilder)). Oder - und das ist die übliche Vorgehensweise - man wirft den Müll einfach im Trotro auf den Boden. Das klingt auf den ersten Hör nicht so schön. Am Ende der Fahrt wird dann das Auto ausgekehrt und der Müll landet bei der Trotro-Strtion auf dem Boden. Klingt immer noch nicht gut, doch ist darin schon der Vorteil versteckt. Es gäbe nämlich noch eine dritte Möglichkeit: Während der Fahrt aus dem Fenster damit! Und dann wäre der Müll überall in der Natur (was er vieler Orts auch ist) und nicht gesammelt an einer Stelle, die auch regelmäßig gereinigt wird.
Als ich mit meiner Freundin im Trotro unterwegs war, wollte gerade ein Passagier seine Trinktüte aus dem Fenster entsorgen. Der Geld sammelnde Mate, der in jedem Trotro sitzt, sagte ihm, dass er die Tüte auf den Boden des Autos werfen wollte. Ich war begeistert. Da war noch jemand dafür, nicht noch mehr Müll ins Grüne zu werfen!
Der Fahrgast war wohl mit der Lösung nicht so glücklich und es schien ihn irgendwo zu kribbeln. Als das Trotro mal wieder hielt und Passagiere aus- und einstiegen, nutzte er seinen Fuß (da hatte es wohl gekribbelt) und kickte die leere Tüte nach draußen an die Straße. Ich hätte ihn hinterherkicken können.
II
Mein ältester Gastbruder spielt öfters Musik bei Kirchenveranstaltungen. Zu so einer lud er mich einmal ein. Gewohnt bin ich es ja schon, dass es bei so etwas immer etwas lauter ist - vor allem dann, wenn gepredigt wird. Mein Gastbruder war schon vor mir da gewesen und hatte gespielt. Als ich kam, suchte ich mir einen Platz. An dem konnte ich gut hören - oder es war eher so, dass ich das Gefühl hatte, dass die Boxen nur in meine Ohren brüllten. Nicht so schön. Während der Predigt kam mein Gastbruder, ich sagte ihm, dass es für mich doch etwas laut wäre und er nahm mich mit zu den Musikern nach hinten. Ich bekam einen Stuhl, etwas abseits der Boxen, so dass es immer noch laut war, aber besser. Da aber gerade Stromausfall war, war es doch nicht angenehmer. Nur wenige Meter von meinem neuen Platz entfernt, brummten drei Generatoren um die Wette und mit der Lautstärke hätte ich doch auch an meinem alten Platz bleiben können. Das war wohl ein klassischen Fall von "vom Regen in die Traufe".
III
Ich habe es ja ganz gern, wenn die Leute nicht sofort erkennen, dass ich ein Deutscher bin. Nicht, dass mir das peinlich oder so wäre, aber ich habe die Hoffnung, dass ich nicht wie ein Standard-Deutscher aussehe oder rumlaufe. Würde ich einen Mann mit Unterhemd, Trainingshose, Badelatschen und vielleicht noch einem Bier in der Hand sehen, würde ich mich dazu hinreißen lassen, in ihm einen Deutschen zu vermuten. Würde man mich durch einen Stereotyp als Deutschen erkennen, dann wäre mir das (je nach dem) schon peinlich.
Als meine Freundin hier war, waren wir gerade an einer Straße in der Nähe des Akosombo-Staudamms unterwegs und ich erzählte ihr davon, dass ich es ganz gerne habe, nicht gleich als Deutscher erkannt zu werden. Nach diesem Satz bemerkte ich erst bewusster, was ich an der Hand hielt. Eine Tüte. Von Edeka.
IV
Wie so üblich sind die meisten Leute um mich herum schwarz. Das ist also ein ganz normales Bild. Wenn man Weiße sieht (es gibt ja doch einige Freiwillige hier), fallen sie ins Auge - gerade, weil man hier eher Schwarze gewöhnt ist.
Ich gehe so wie üblich durch Swedru. Dabei richtete ich auch mal meine Blick auf den Boden. Das Bein, welches gerade noch hinter mir war, kam nach vorne und ich bekam einen kleinen Schreck: Huch, weiß. Ja, wenn man sonst eher schwarze Haut um einen herum gewöhnt ist... :)
V
Ich saß mal wieder so in unserem Shop und hatte miterlebt, wie ein Bus in Bulli-Größe am Straßenrand parkte und ein riesiger LKW dran vorbeifahren wollte. Der Beifahrer des LKW haute dem Klein-Bus dabei noch aus Spaß schön scheppernd aufs Dach.
Bis zu Hälfte klappte das Überholen ganz gut, doch dann kam er zu nah dran, verhakte sich und ließ den Bulli etwa einen Meter nach vorne hüpfen. Das war zwar doof gelaufen und die hintere Stoßstange des Busses war abgefallen, aber passiert halt :) Der LKW-Fahrer schaute sich das Geschehen nur aus seinem Führerhaus aus an und auch der Bus-Fahrer begutachtete den Schaden nur, befestigte die Stoßstange wieder und es konnte weitergehen (mit den Passagieren, die übrigens im Bus waren). So einfach kann es sein.
Sonntag, 22. April 2012
Examen
Mittwoch hatte ich es geschafft. Ich war durch! Puh.
Zum Ende eines jeden Terms (drei an der Zahl gibt es im Jahr - Trimester passt also gut) stehen die Examen an. Das waren nun sieben Tage, die sich nur darum drehten – sowohl für die Schüler als auch die Lehrer. In jedem Fach wurde eine Arbeit geschrieben. Also eine große Anforderung für die Schüler, die ganze Woche mit frischem Kopf dabei zu sein. Die Form Four-Schüler hatten nun noch keine Examen, da diese sich auf ihre Abschluss-Examen vorbereiten müssen. Danach kann es für sie an die Uni gehen.
Für die Lehrer wurde es auch anstrengend. Unsere Aufgabe war es zuerst, die Schüler während der Examen zu bewachen. Dazu hatten wir im Vorfeld von der Schule einen Plan bekommen, aus dem zu ersehen war, wann man selber Aufpasser sein durfte. Ich kam in dieser Zeit neun mal dran, manche sogar 13 mal. Im vorletzten Satz Satz hatte ich geschrieben, dass ich "Aufpasser sein durfte" und durfte ist auch ernst gemeint, brachte es doch wieder etwas Abwechselung in den Schulalltag. Beim Examen am Ende des ersten Terms war ich ja zu Beginn noch mit jeweils einem anderen Lehrer in der Klasse, diesen Term wurde immer ein Lehrer pro Klasse eingeteilt.
Als Lehrer findet man sich dann zu der entsprechenden Zeit im Lehrerzimmer ein und nimmt sich den Stapel mit den Frage- Antwort-Blättern. Außerdem ist auf dem Packen vermerkt, in welchen Klassenraum man gehen muss. Das kann dann z. B. "Almighty Block 6", "Staff Block 2" oder auch der "Uncompleted Block" sein. Der Almighty-Block ist der, in dem auch unser ICT-Raum untergebracht ist, der Staff-Block beherbergte bis vor ein paar Wochen auch das Lehrerzimmer (nun sind wir in einen schicken Neubau umgezogen), doch der Name ist geblieben, und der Uncompleated-Block wird später mal mindestens zwei Zimmer im Erdgeschoss haben, noch gibt es aber nur das Fundament, Stützpfeiler und darüber wieder eine Beton-Decke. Genug um nicht in der Sonne sitzen zu müssen, aber trotzdem dort schreiben zu können.
Die meisten Schüler warten dann schon darauf, dass ein Lehrer kommt, doch ist zu Beginn immer noch viel Gewusel, da dann manchmal erst damit begonnen wird, die Rucksäcke rauszubringen, da diese während der Arbeiten nicht am Platz sein dürfen. Ich gebe dann eine Liste rum, in der jeder Schüler sich mit Namen, Klasse (es sind oftmals Schüler mehrerer Klassen in einem Raum für die Examen), Schüler-ID und Unterschrift verewigen muss. Die leeren Antwortblätter lasse ich auch schon verteilen. In der Zwischenzeit zähle ich die Arbeiten ab, so dass ich danach zügig die benötigte Anzahl an Blättern in jede Tischreihe geben kann. Dann kann es losgehen. 1,5 oder auch drei Stunden. Nach dem Start kann es auch passieren, dass noch einzelne Schüler in den Klassenraum kommen und verzögert starten.
Zu Beginn läuft es immer sehr gesittet ab, das ist sehr angenehm. Mit der Zeit versuchen aber doch Schüler, sich auszutauschen. Das ist besonders für den ersten Teil der Arbeit einfach, da dort üblicherweise immer 30-40 Ankreuzaufgaben gestellt werden und ein kurzes "d" saust dafür schneller von A nach B, als für den zweiten Teil des Examens, bei dem es sich eher um Aufgaben handelt, die man in Textform beantworten muss.
Es reichte für den Moment, wenn ich die entsprechenden Schüler einfach anzischte und sie dann wussten, dass ich sie gesehen hatte. Oder ich musste die gesamte Klasse zur Ruhe mahnen. Wenn manche doch zu gesprächig waren, sagte ich ihnen, dass sie sich hinstellen sollten. Auf den Stuhl. Für die anderen Schüler war das immer sehr lustig zu sehen, für den Stehenden wurde es dann schwieriger mit dem Schreiben, da das dann in der Luft zu machen war. Nach fünf bis zehn Minuten durften sie sich wieder hinsetzen. Diese Schüler waren dann auch wieder angenehm ruhig, doch hatte es nicht so sehr den abschreckenden Effekt, so dass manchmal mehrere standen. Das sah auch mal eine Lehrerin, und sie fragte die Schülerin, nachdem sie in der Klassenraum gekommen war (die ja eh immer auf sind), was sie denn dort machen würde, da sie wohl Angst hatte, dass sie so abschreiben wollte. Ich sagte ihr jedoch, dass das so schon seine Richtigkeit hätte. Es kam noch ein anderer Lehrer hinzu und sie entlarvten dies nun auch als Anti-Schummel-Maßnahme. Der Schüler auf dem Stuhl tat mir dann schon etwas Leid, als er hörte, dass das ja peinlich sei dort zu sein und außerdem machten die Kollegen noch Fotos mit ihren Handys von ihm. Er kam mir wie am Pranger vor.
Während der ersten Examen-Woche musste ich die Arbeiten von drei Schülern einkassieren, da sie doch arg gespickt hatten und Blätter untereinander ausgetauscht hatte. Das war mir sehr unlieb. Ein Schüler blieb danach lethargisch sitzen, ein anderer lief zornig aus dem Klassenraum. Später erfuhr ich, wie sich die Note für das Zwischenzeugnis bildet. 30% kommen durch Hausaufgaben und Klassentests zustande, 70% steuert das Examen bei. Hmpf.
Manche anderen Lehrer unterhielten sich während ihrer Aufsicht auf dem Gang und verließen somit ihre Klassen. Was dann in der Klasse los sein musste, konnte eich mir gut vorstellen :)
Bei meinem letzten Examen für diesen Term war RME (Religious Moral Education) dran. Der Raum, in den ich kam, war so voll, dass sogar einige Schüler draußen auf dem Gang Platz nehmen mussten (was allerdings nicht so ungewöhnlich ist). Ich hörten dann von einem anderen Lehrer, dass wir in einen größeren Raum wechseln sollten und so schickte ich die Schüler zu dem Raum, der allerdings doch schon belegt war und daraufhin suchten sie selber einen anderen. Der war nicht größer, aber im Laufe der Suchaktion hatte ich einige Schüler verloren, so dass wir mit dem Platz nun gut auskamen :) Die anderen waren wohl in anderen Klassen untergekommen. Bei dieser Arbeit (für die 1,5 Stunden angesetzt war), bekam ich von einem Mädel nach 20 Minuten deren Arbeit. Huch, die wusste wohl nicht so viel. Oder die Arbeit war sehr einfach. Nach 30 Minuten war kein Schüler mehr im Raum und alle hatten abgegeben.
Danach kam der anstrengende Teil für die Lehrer. Korrigieren! Die Ankreuzantworten kann man zwar an sich einfach abhaken, doch hat man nach ein paar Blättern schon Brei im Kopf. Der zweite Teil ist mit manchen Aufgaben auch leicht zu bewerten, doch muss man sich dabei mehr mit den Antworten befassen, was das ganze sehr langwierig macht. Ich hatte durch meine drei Klassen die ich unterrichte, geschätzt 180 Arbeiten zu korrigieren, was nicht so viel klingt, mich aber doch mehrere Tage beschäftigt hat. Im letzten Term hatte ich gesehen, wie andere ICT-Lehrer die Antworten für Teil eins an die Tafel geschrieben hatten und dann Schüler einer anderen Klassenstufe diesen Teil korrigieren ließen. Das fand ich keine gute Sache. Die Hälfte meiner Arbeiten hatte ich nun schon korrigiert und ein Kollege meinte, dass ich meine restlichen Arbeiten auch an die Schüler geben sollte. Das fand ich auf der einen Seite immer noch nicht gut, andererseits war ich doch sehr froh über die Hilfe, da so die andere Hälfte in etwa 40 Minuten bearbeitet worden war, wobei ich dafür mehrere Stunden (und Tage - nach der Schule) gesessen hätte. Teil zwei musste dann zwar immernoch bearbeitet werden, aber trotzdem war es eine große Erleichterung.
Alle Ergebnisse trug ich in eine Tabelle ein. Denn deren Anschlussnoten (die 30% + 70%) mussten bis zum 18. April in der Schule in ein Buch eingetragen werden. Ich rechnete mit einer Stunde für alle meine Schüler. Nach mehr als drei Stunden hatte ich die Hälfte. Am darauf folgenden Tag konnte ich nicht gleich weitermachen - es kam wieder hoher Besuch aus der fernen Heimat, mit dem ich die ersten Tage in Accra verbrachte. Somit konnte ich erst am letzten Tag zum Abschluss kommen (wie vermutet waren heute auch mehr Lehrer da). Ich war durch! Puh. Ferien.
Zum Ende eines jeden Terms (drei an der Zahl gibt es im Jahr - Trimester passt also gut) stehen die Examen an. Das waren nun sieben Tage, die sich nur darum drehten – sowohl für die Schüler als auch die Lehrer. In jedem Fach wurde eine Arbeit geschrieben. Also eine große Anforderung für die Schüler, die ganze Woche mit frischem Kopf dabei zu sein. Die Form Four-Schüler hatten nun noch keine Examen, da diese sich auf ihre Abschluss-Examen vorbereiten müssen. Danach kann es für sie an die Uni gehen.
Für die Lehrer wurde es auch anstrengend. Unsere Aufgabe war es zuerst, die Schüler während der Examen zu bewachen. Dazu hatten wir im Vorfeld von der Schule einen Plan bekommen, aus dem zu ersehen war, wann man selber Aufpasser sein durfte. Ich kam in dieser Zeit neun mal dran, manche sogar 13 mal. Im vorletzten Satz Satz hatte ich geschrieben, dass ich "Aufpasser sein durfte" und durfte ist auch ernst gemeint, brachte es doch wieder etwas Abwechselung in den Schulalltag. Beim Examen am Ende des ersten Terms war ich ja zu Beginn noch mit jeweils einem anderen Lehrer in der Klasse, diesen Term wurde immer ein Lehrer pro Klasse eingeteilt.
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| Das Lehrer--Einteilungs-Blatt |
Als Lehrer findet man sich dann zu der entsprechenden Zeit im Lehrerzimmer ein und nimmt sich den Stapel mit den Frage- Antwort-Blättern. Außerdem ist auf dem Packen vermerkt, in welchen Klassenraum man gehen muss. Das kann dann z. B. "Almighty Block 6", "Staff Block 2" oder auch der "Uncompleted Block" sein. Der Almighty-Block ist der, in dem auch unser ICT-Raum untergebracht ist, der Staff-Block beherbergte bis vor ein paar Wochen auch das Lehrerzimmer (nun sind wir in einen schicken Neubau umgezogen), doch der Name ist geblieben, und der Uncompleated-Block wird später mal mindestens zwei Zimmer im Erdgeschoss haben, noch gibt es aber nur das Fundament, Stützpfeiler und darüber wieder eine Beton-Decke. Genug um nicht in der Sonne sitzen zu müssen, aber trotzdem dort schreiben zu können.
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| Der Staff-Block (kurz bevor die Straße asphlatiert wird) |
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| Im Uncompleted-Block |
Zu Beginn läuft es immer sehr gesittet ab, das ist sehr angenehm. Mit der Zeit versuchen aber doch Schüler, sich auszutauschen. Das ist besonders für den ersten Teil der Arbeit einfach, da dort üblicherweise immer 30-40 Ankreuzaufgaben gestellt werden und ein kurzes "d" saust dafür schneller von A nach B, als für den zweiten Teil des Examens, bei dem es sich eher um Aufgaben handelt, die man in Textform beantworten muss.
Es reichte für den Moment, wenn ich die entsprechenden Schüler einfach anzischte und sie dann wussten, dass ich sie gesehen hatte. Oder ich musste die gesamte Klasse zur Ruhe mahnen. Wenn manche doch zu gesprächig waren, sagte ich ihnen, dass sie sich hinstellen sollten. Auf den Stuhl. Für die anderen Schüler war das immer sehr lustig zu sehen, für den Stehenden wurde es dann schwieriger mit dem Schreiben, da das dann in der Luft zu machen war. Nach fünf bis zehn Minuten durften sie sich wieder hinsetzen. Diese Schüler waren dann auch wieder angenehm ruhig, doch hatte es nicht so sehr den abschreckenden Effekt, so dass manchmal mehrere standen. Das sah auch mal eine Lehrerin, und sie fragte die Schülerin, nachdem sie in der Klassenraum gekommen war (die ja eh immer auf sind), was sie denn dort machen würde, da sie wohl Angst hatte, dass sie so abschreiben wollte. Ich sagte ihr jedoch, dass das so schon seine Richtigkeit hätte. Es kam noch ein anderer Lehrer hinzu und sie entlarvten dies nun auch als Anti-Schummel-Maßnahme. Der Schüler auf dem Stuhl tat mir dann schon etwas Leid, als er hörte, dass das ja peinlich sei dort zu sein und außerdem machten die Kollegen noch Fotos mit ihren Handys von ihm. Er kam mir wie am Pranger vor.
Während der ersten Examen-Woche musste ich die Arbeiten von drei Schülern einkassieren, da sie doch arg gespickt hatten und Blätter untereinander ausgetauscht hatte. Das war mir sehr unlieb. Ein Schüler blieb danach lethargisch sitzen, ein anderer lief zornig aus dem Klassenraum. Später erfuhr ich, wie sich die Note für das Zwischenzeugnis bildet. 30% kommen durch Hausaufgaben und Klassentests zustande, 70% steuert das Examen bei. Hmpf.
Manche anderen Lehrer unterhielten sich während ihrer Aufsicht auf dem Gang und verließen somit ihre Klassen. Was dann in der Klasse los sein musste, konnte eich mir gut vorstellen :)
Bei meinem letzten Examen für diesen Term war RME (Religious Moral Education) dran. Der Raum, in den ich kam, war so voll, dass sogar einige Schüler draußen auf dem Gang Platz nehmen mussten (was allerdings nicht so ungewöhnlich ist). Ich hörten dann von einem anderen Lehrer, dass wir in einen größeren Raum wechseln sollten und so schickte ich die Schüler zu dem Raum, der allerdings doch schon belegt war und daraufhin suchten sie selber einen anderen. Der war nicht größer, aber im Laufe der Suchaktion hatte ich einige Schüler verloren, so dass wir mit dem Platz nun gut auskamen :) Die anderen waren wohl in anderen Klassen untergekommen. Bei dieser Arbeit (für die 1,5 Stunden angesetzt war), bekam ich von einem Mädel nach 20 Minuten deren Arbeit. Huch, die wusste wohl nicht so viel. Oder die Arbeit war sehr einfach. Nach 30 Minuten war kein Schüler mehr im Raum und alle hatten abgegeben.
Danach kam der anstrengende Teil für die Lehrer. Korrigieren! Die Ankreuzantworten kann man zwar an sich einfach abhaken, doch hat man nach ein paar Blättern schon Brei im Kopf. Der zweite Teil ist mit manchen Aufgaben auch leicht zu bewerten, doch muss man sich dabei mehr mit den Antworten befassen, was das ganze sehr langwierig macht. Ich hatte durch meine drei Klassen die ich unterrichte, geschätzt 180 Arbeiten zu korrigieren, was nicht so viel klingt, mich aber doch mehrere Tage beschäftigt hat. Im letzten Term hatte ich gesehen, wie andere ICT-Lehrer die Antworten für Teil eins an die Tafel geschrieben hatten und dann Schüler einer anderen Klassenstufe diesen Teil korrigieren ließen. Das fand ich keine gute Sache. Die Hälfte meiner Arbeiten hatte ich nun schon korrigiert und ein Kollege meinte, dass ich meine restlichen Arbeiten auch an die Schüler geben sollte. Das fand ich auf der einen Seite immer noch nicht gut, andererseits war ich doch sehr froh über die Hilfe, da so die andere Hälfte in etwa 40 Minuten bearbeitet worden war, wobei ich dafür mehrere Stunden (und Tage - nach der Schule) gesessen hätte. Teil zwei musste dann zwar immernoch bearbeitet werden, aber trotzdem war es eine große Erleichterung.
Alle Ergebnisse trug ich in eine Tabelle ein. Denn deren Anschlussnoten (die 30% + 70%) mussten bis zum 18. April in der Schule in ein Buch eingetragen werden. Ich rechnete mit einer Stunde für alle meine Schüler. Nach mehr als drei Stunden hatte ich die Hälfte. Am darauf folgenden Tag konnte ich nicht gleich weitermachen - es kam wieder hoher Besuch aus der fernen Heimat, mit dem ich die ersten Tage in Accra verbrachte. Somit konnte ich erst am letzten Tag zum Abschluss kommen (wie vermutet waren heute auch mehr Lehrer da). Ich war durch! Puh. Ferien.
Montag, 9. April 2012
Krankenhaus oder liegen lassen?
Vor ein paar Tagen war ich bei ein paar anderen Freiwilligen und wir verbrachten einen gemütlichen Nachmittag mit ein paar leckeren einheimischen Früchten und weiterem Essen. Mein kleinster Gastbruder und ein Mädel, welches ebenfalls mit bei uns im Haus wohnt, waren mit mir dort.
Wir machten uns später zu dritt wieder auf den Heimweg. Nicht weit von dem Haus der anderen Freiwilligen sahen wir jemanden auf der Straße liegen. Es ist so, dass rechts und links der Straße üblicherweise die Abflusskanäle sind, in die man bei Unachtsamkeit auch hineinfallen kann (das hat ein anderer Freiwilliger schon geschafft und ebenso stand vor kurzem in der Zeitung, dass das auch einem Politiker passiert war). Am Rand der Straße und knapp neben dem Kanal lag ein Junge von etwa 15 Jahren. Er lag dort und machte keinen guten Eindruck. Andere Passanten erklärten mir, dass er verrückt sei und damit hatte es sich für sie. Ich schaute ihn mir genauer an und sah eine Wunde mit Blut an seiner Wange, ebenso eine am Bein und am Knöchel. Ebenso hatte er sich eingenässt. Ansprechbar war er nicht, jedenfalls reagierte er nicht auf mich, was ich gut an seinen Augen sehen konnte. Ich fühlte mich etwas überfordert und auch alleine in der Situation, da ja sonst niemand dafür zu haben war, sich mit mir um den Jungen zu kümmern.
Zum Glück war keine 100m entfernt ein Krankenhaus. Ich erklärte meinen beiden Kindern eindringlich, dass sie bei dem Jungen bleiben sollten, schwang mich aufs Rad (das habe ich mir hier von einem Freund (und ebenfalls Schülers meiner Schule) meines ältesten Gastbruders ausgeliehen). Im Krankenhaus fragte ich nach einem Arzt. Es war keiner da, doch konnte ich einer Krankenschwester mein Anliegen schildern. Sie nahm es zur Kenntnis, zeigte aber auch nicht so viel Motivation, sich um den Jungen zu kümmern zu wollen. Sie fragte, wo er wäre und ich sagte ihr, dass man ihn vom Krankenhaus-Tor aus sehen könnte. Ich lief dorthin voraus und sie kam in Ruhe hinterher. Besonnen zu handeln mag sicher gut sein, doch schien mir dass hier nicht der Grund der Langsamkeit zu sein. Als wir dort standen kam außerdem noch ein Krankenpfleger des Krankenhauses hinzu, so dass ich erneut der Vorfall schilderte. Ich erwähnte ebenso, dass er alle paar Minuten zu zittern und zu verkrampfen begann, was mir dann mit Epelepsie erklärt wurde. Zwei Männer waren außerdem zu uns gekommen und erklärten mir, warum es schwierig werden würde, sich um den Jungen zu kümmern. Der Grund wäre nämlich, dass dann jemand die Kosten für die Behandlung tragen müsste und die dann auf den Helfer zukommen würden, wenn man von der hilfebedürftigen Person nichts bekommen könnte. Jedenfalls kamen sie nicht mit mir zu dem Jungen und ich wollte auch nicht ins Blaue zusagen, die Kosten zu übernehmen.
Ich fuhr wieder zu dem Jungen, schickte meine Begleitungen nach Hause und fuhr zu dem Haus unserer Partnerorganisation nicht weit entfernt, da ich nun nicht wusste, wie ich weiter vorgehen sollte. Ich sagte den beiden Krankenhausmitarbeitern etwas missmutig im Vorbeifahren "Me ba" (bedeutet so viel wie: ich komme wieder).
Der Mitarbeiter der Organisation war leider nicht da, doch konnte ich mit seiner Frau sprechen. Sie Verstand sehr wohl, dass es mein Anliegen war, irgendwie zu helfen, konnte mir aber nichts Neues sagen. Die Leute unternehmen halt nichts wegen des Geldes, aber auch bei Leuten die "verrückt" sind. Ich sollte nach Hause gehen.
So einfach konnte ich die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen. Ich fuhr wieder zurück und traf unterwegs eine andere Freiwillige, die ich über den Vorfall informierte. Es tat mir einerseits Leid, sie da mit hineinzuziehen, war aber andererseits auch froh nun jemanden zu haben, der die Sache ebenso wie ich sah.
Wir gingen zusammen zu dem Jungen und ich versuchte wieder mit ihm zu sprechen, doch reagierte er weiterhin nicht auf meine Ansprachen. Dafür sammelten sich nun wieder mehr Schaulustige um uns an. Diese wurden von der anderen Freiwilligen "angesprochen" (wenn man es weich formulieren möchte), wie sie denn denn nicht helfen könnten.
Einige ratlose Zeit und Anfälle des Jungen später kamen wir zu dem Schluss, es doch doch einmal mit dem Krankenhaus zu versuchen. Er durfte nun kommen; eine Trage gab es nicht, so dass ich ihn zum Krankenhaus auf meinen Armen trug. Es war besprochen worden, dass nur die Wunden gesäubert und er gewaschen werden sollten. Während der Zeit gingen wir Freiwilligen los und versuchten neue Kleidung für den Jungen zu besorgen. So gab es neue Wäsche und nun auch Flip-Flops. Den beiden Krankenschwestern (der Pfleger nannte sich auch "nurse") brachten wir als Dankeschön noch Eis mit.
Da wir nicht mit der Idee einverstanden waren, den Jungen einfach wieder auf die Straße zu setzen, schlug der Pfleger vor, auf die Straße zu gehen und uns umzuhören, ob ihn jemand kennen würde. Bei der zweiten Person wurden wir schon fündig. Die Frau brachte und durch einen 10-Minuten-Marsch zu der Familie des Jungen. Große Bestürzung konnte ich bei der nicht feststellen. Die Mutter bedankte sich ohne weitere Emotionen. Ihre Kinder mit aufgeblähten Hungerbäuchen standen daneben. Ein Junge und eine Schwester des Jungen begleitete uns, ihn abzuholen. Die (jüngere) Schwester trug ihn dann ebenso wie ich auf den Armen fort und es hieß, dass man ihn nicht mehr hinauslassen würde. Das mag sicher vor solchen Dingen wie heute schützen, ob das gut ist, ist aber auch fraglich. Ich war erstaunt, dass das Mädchen den Jungen den ganzen Weg tragen wollte, war er doch um einiges länger als mein Trageweg und selbst da wurde er mir schon schwer.
Ein paar Tage nach diesem Vorfall sprach ich nun doch noch mit dem Ansprechpartner meiner Partnerorganisation und er erklärte mir, dass die Ghanaer eigentlich immer schnell zur Stell sind, wenn bei Unfällen oder so geholfen werden muss. So hatte ich mal erlebt, wie ein Mädchen auf die Straße und dabei gegen die Seite eines fahrendes Autos gelaufen ist. Sie lag dann kurz auf der Straße und wurde sogleich von umstehenden geschnappt und in das Auto verfrachtet. Der Fahrer brachte sie zum Krankenhaus. Auch ansonsten wir einem gerne geholfen, wenn man Hilfe braucht.
Für die kleine Behandlung im Krankenhaus mussten wir nichts bezahlen. Ob es daran lag, dass wir Weiße waren, mag sein, doch weiß ich es nicht. Oder daran, dass die andere Freiwillige noch einmal im Krankenhaus nachgefragt hatte. Der Pfleger ließ sich später gerne noch ihre Nummer geben. Meine auch, doch wohl eher aus Höflichkeit – jedenfalls hatte er sich bei mir noch nicht gemeldet :)
Wir machten uns später zu dritt wieder auf den Heimweg. Nicht weit von dem Haus der anderen Freiwilligen sahen wir jemanden auf der Straße liegen. Es ist so, dass rechts und links der Straße üblicherweise die Abflusskanäle sind, in die man bei Unachtsamkeit auch hineinfallen kann (das hat ein anderer Freiwilliger schon geschafft und ebenso stand vor kurzem in der Zeitung, dass das auch einem Politiker passiert war). Am Rand der Straße und knapp neben dem Kanal lag ein Junge von etwa 15 Jahren. Er lag dort und machte keinen guten Eindruck. Andere Passanten erklärten mir, dass er verrückt sei und damit hatte es sich für sie. Ich schaute ihn mir genauer an und sah eine Wunde mit Blut an seiner Wange, ebenso eine am Bein und am Knöchel. Ebenso hatte er sich eingenässt. Ansprechbar war er nicht, jedenfalls reagierte er nicht auf mich, was ich gut an seinen Augen sehen konnte. Ich fühlte mich etwas überfordert und auch alleine in der Situation, da ja sonst niemand dafür zu haben war, sich mit mir um den Jungen zu kümmern.
Zum Glück war keine 100m entfernt ein Krankenhaus. Ich erklärte meinen beiden Kindern eindringlich, dass sie bei dem Jungen bleiben sollten, schwang mich aufs Rad (das habe ich mir hier von einem Freund (und ebenfalls Schülers meiner Schule) meines ältesten Gastbruders ausgeliehen). Im Krankenhaus fragte ich nach einem Arzt. Es war keiner da, doch konnte ich einer Krankenschwester mein Anliegen schildern. Sie nahm es zur Kenntnis, zeigte aber auch nicht so viel Motivation, sich um den Jungen zu kümmern zu wollen. Sie fragte, wo er wäre und ich sagte ihr, dass man ihn vom Krankenhaus-Tor aus sehen könnte. Ich lief dorthin voraus und sie kam in Ruhe hinterher. Besonnen zu handeln mag sicher gut sein, doch schien mir dass hier nicht der Grund der Langsamkeit zu sein. Als wir dort standen kam außerdem noch ein Krankenpfleger des Krankenhauses hinzu, so dass ich erneut der Vorfall schilderte. Ich erwähnte ebenso, dass er alle paar Minuten zu zittern und zu verkrampfen begann, was mir dann mit Epelepsie erklärt wurde. Zwei Männer waren außerdem zu uns gekommen und erklärten mir, warum es schwierig werden würde, sich um den Jungen zu kümmern. Der Grund wäre nämlich, dass dann jemand die Kosten für die Behandlung tragen müsste und die dann auf den Helfer zukommen würden, wenn man von der hilfebedürftigen Person nichts bekommen könnte. Jedenfalls kamen sie nicht mit mir zu dem Jungen und ich wollte auch nicht ins Blaue zusagen, die Kosten zu übernehmen.
Ich fuhr wieder zu dem Jungen, schickte meine Begleitungen nach Hause und fuhr zu dem Haus unserer Partnerorganisation nicht weit entfernt, da ich nun nicht wusste, wie ich weiter vorgehen sollte. Ich sagte den beiden Krankenhausmitarbeitern etwas missmutig im Vorbeifahren "Me ba" (bedeutet so viel wie: ich komme wieder).
Der Mitarbeiter der Organisation war leider nicht da, doch konnte ich mit seiner Frau sprechen. Sie Verstand sehr wohl, dass es mein Anliegen war, irgendwie zu helfen, konnte mir aber nichts Neues sagen. Die Leute unternehmen halt nichts wegen des Geldes, aber auch bei Leuten die "verrückt" sind. Ich sollte nach Hause gehen.
So einfach konnte ich die Sache aber nicht auf sich beruhen lassen. Ich fuhr wieder zurück und traf unterwegs eine andere Freiwillige, die ich über den Vorfall informierte. Es tat mir einerseits Leid, sie da mit hineinzuziehen, war aber andererseits auch froh nun jemanden zu haben, der die Sache ebenso wie ich sah.
Wir gingen zusammen zu dem Jungen und ich versuchte wieder mit ihm zu sprechen, doch reagierte er weiterhin nicht auf meine Ansprachen. Dafür sammelten sich nun wieder mehr Schaulustige um uns an. Diese wurden von der anderen Freiwilligen "angesprochen" (wenn man es weich formulieren möchte), wie sie denn denn nicht helfen könnten.
Einige ratlose Zeit und Anfälle des Jungen später kamen wir zu dem Schluss, es doch doch einmal mit dem Krankenhaus zu versuchen. Er durfte nun kommen; eine Trage gab es nicht, so dass ich ihn zum Krankenhaus auf meinen Armen trug. Es war besprochen worden, dass nur die Wunden gesäubert und er gewaschen werden sollten. Während der Zeit gingen wir Freiwilligen los und versuchten neue Kleidung für den Jungen zu besorgen. So gab es neue Wäsche und nun auch Flip-Flops. Den beiden Krankenschwestern (der Pfleger nannte sich auch "nurse") brachten wir als Dankeschön noch Eis mit.
Da wir nicht mit der Idee einverstanden waren, den Jungen einfach wieder auf die Straße zu setzen, schlug der Pfleger vor, auf die Straße zu gehen und uns umzuhören, ob ihn jemand kennen würde. Bei der zweiten Person wurden wir schon fündig. Die Frau brachte und durch einen 10-Minuten-Marsch zu der Familie des Jungen. Große Bestürzung konnte ich bei der nicht feststellen. Die Mutter bedankte sich ohne weitere Emotionen. Ihre Kinder mit aufgeblähten Hungerbäuchen standen daneben. Ein Junge und eine Schwester des Jungen begleitete uns, ihn abzuholen. Die (jüngere) Schwester trug ihn dann ebenso wie ich auf den Armen fort und es hieß, dass man ihn nicht mehr hinauslassen würde. Das mag sicher vor solchen Dingen wie heute schützen, ob das gut ist, ist aber auch fraglich. Ich war erstaunt, dass das Mädchen den Jungen den ganzen Weg tragen wollte, war er doch um einiges länger als mein Trageweg und selbst da wurde er mir schon schwer.
Ein paar Tage nach diesem Vorfall sprach ich nun doch noch mit dem Ansprechpartner meiner Partnerorganisation und er erklärte mir, dass die Ghanaer eigentlich immer schnell zur Stell sind, wenn bei Unfällen oder so geholfen werden muss. So hatte ich mal erlebt, wie ein Mädchen auf die Straße und dabei gegen die Seite eines fahrendes Autos gelaufen ist. Sie lag dann kurz auf der Straße und wurde sogleich von umstehenden geschnappt und in das Auto verfrachtet. Der Fahrer brachte sie zum Krankenhaus. Auch ansonsten wir einem gerne geholfen, wenn man Hilfe braucht.
Für die kleine Behandlung im Krankenhaus mussten wir nichts bezahlen. Ob es daran lag, dass wir Weiße waren, mag sein, doch weiß ich es nicht. Oder daran, dass die andere Freiwillige noch einmal im Krankenhaus nachgefragt hatte. Der Pfleger ließ sich später gerne noch ihre Nummer geben. Meine auch, doch wohl eher aus Höflichkeit – jedenfalls hatte er sich bei mir noch nicht gemeldet :)







