Sonntag, 26. Februar 2012

Ich versteh' nur Friedhof


Am Freitag hatte ich keine Schule, da ich mich mit fünf anderen Freiwilligen und einigen meiner Organisation ARA in dem Haus des Gründers nähe Accra trafen. Wir sind Mitglieder eines Komitees, das sich dazu trifft, zu besprechen, ob es Projekte gibt, die man mit Spenden unterstützen kann oder neue Projekte mit Spendengeldern aufbauen kann. In zwei Wochen werden wir uns wieder treffen um die Projekte und deren Unterstützung detaillierter zu besprechen und zu planen.

Ich nutzte die Gelegenheit und Nähe zu Accra, mal wieder in die Hauptstadt zu fahren. Ich wollte gerne mal alleine umherreisen und mich alleine durchschlagen müssen. Ich wollte bewusst in einem Hostel und keinem Hotel schlafen und hatte mich spontan nach einem Tipp einer anderen Freiwilligen für eine Unterkunft entschieden. Ich nahm ein Trotro nach Accra und erwartete, bald an der Haupt-Trotro-Station auszusteigen um von dort zum Hostel zu fahren. Falsch gedacht. Der „last stop“ war dann – irgendwo. An dem Ort war ich noch nicht und kannte mich somit nicht aus, doch fragte ich mich durch und kam so immerhin schon einmal in die Nähe. In dieser Nähe sah ich einen Supermarkt, der von außen gehobener als andere aussah. Davor gab es eine hohe Konzentration dicker Geländewagen. Die Tür wird einem beim Eintreten geöffnet, meinen Rucksack musste ich abgeben. Der Supermarkt war gut von Weißen und Schwarzen besucht, doch hatte ich das Gefühl, dass in dem Stadtteil Osu (in dem ich mich aufhielt) sowieso mehr Weiße sind. Die Preise waren eher der höheren Schicht entsprechend. Ich kaufte mir nur Kleinigkeiten. Und wie komme ich jetzt wieder an meinen Rucksack? Ich ging durch die Kassen wieder zurück in den Laden und zum Eingang. Der Türöffner teilte mir mit, dass ich die Tasche durch ein Fenster nach draußen gereicht bekommen würde, wenn ich durch den Ausgang und dann wieder zum Eingang ginge. Ich meinte, dass meine Tasche doch hier vor mir wäre, befolgte aber den beschriebenen Weg, umkreiste den Supermarkt, kam wieder zum Eingang - nun von außen – der Mann öffnete das Fenster und reichte mir meine Tasche. So einfach kann's sein!

Ich suche weiter meinen Weg zur Unterkunft, wurde unterwegs von fünf jungen (wahrscheinlich) Britinnen nach dem Weg zu einem Ort gefragt und ich fragte sie nach meinem Hostel. Keine Gruppe hatte Ahnung :) Ich zog weiter, fragte mich weiter durch und kam endlich an. Gerade stand ich vor dem Tor der Unterkunft der Salvation Army (Heilsarmee), hüllte sich alles um mich herum ins Dunkel. Keine Angst, mir ging es gut, es war nur Stromausfall. Der Mann führte mich in ein (nun dunkles) Zimmer und wies mir einen Schlafplatz im Fünf-Bett-Zimmer zu. Auf der Bank davor redeten Weiße in fremden Sprachen (:)) und auch das Englisch verstand ich zu Beginn nicht, als sie kurz mit dem Mann sprachen. Mit ihnen und ein paar anderen Weißen kam ich später ins Gespräch. Es waren auch Freiwillige, so wie ich. Einige hatte – wie ich – Halbzeit, andere wollten am nächsten Tag abreisen. Die ersten auf der Bank sprachen übrigens auch deutsch – es waren Schweizer. Die anderen kamen aus Deutschland.

Am nächsten Morgen war ich zwar schon um viertel nach sechs wach, aber was reitet einen anderen Zimmergenossen – während andere noch schliefen – sich um diese Zeit einen neuen Handy-Klingelton auszusuchen? Nach im-Reiseführer-blättern und einer zweiten Schlafrunde wollte ich nach Aburi und den dortigen Botanischen Garten aufbrechen. Kurzum: Ich wartete über eine Stunde an der Trotro-Station auf einen Bus, bis es langsam knapp wurde, in den Garten und anschließend wieder nach Agona Swedru zu fahren, so dass ich direkt wieder nach Hause aufbrach.

Zuvor war ich noch in der Stadt unterwegs und hörte laute Laute aus dem Stadion. Diese Mal gab es dort kein Fußballspiel zu sehen, sondern eine Wahlveranstaltung der PPP-Partei für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Ich schaute mir dies ein bisschen an.

Auf dem Weg zu Trotro-Station wollte ich noch einen kurzen Abstecher zum Friedhof machen, den ich auf der Karte in meinem Reiseführer gesehen habe. Dort traf ich zuerst auf eine Mauer und suchte nach dem Eingang. Ich fand einen Durchbruch, an dessen Stelle sich dahinter aber kein Friedhof befand, sondern sie eher einer Müllhalde glich. Von einer weiter entfernteren Mauer zischte mir jemand zu und er wies mir den Weg auf das Friedhofsgelände. So ging es für mich durch Müll, Kot, Fliegen und Gestank, bis an einen Bereich der Mauer, der auch wieder offen war. Dort hatten sich mehrere junge Leute versammelt um „abzuhängen“, komisches Kraut zu rauchen und auf Grabplatten Karten zu spielen oder zu schlafen. Schmutzig war es dort aber auch. Ich kreuzte die Gruppe und ging mehr ins Innere des Hofes. Dort sprach mich einer an, sagte mir, dass er dort arbeiten würde und wir unterhielten uns ein bisschen auf dem Weg zu dem Grab, an dem er gerade arbeitete. Es ging über Stock und Stein oder genauer über Erde und Gräber. Die Gräber waren mitunter so dicht an dicht angelegt und auch nicht alle in der selben Ausrichtung, so dass es manchmal gar keine andere Möglichkeit gab, und es lag auch nicht jedes Grab an einem Weg, sondern sie waren meistens direkt hintereinander angelegt.

 

Was mich verwunderte, war der Zustand vieler Gräber, auch welcher von beispielsweise erst 2006. Der Friedhof ist für die Angehörigen der verschiedenen Religionen in Bereiche eingeteilt; Konfessionslose haben auch einen eigenen.


Während meines weiteren Rundgangs wollten sich auch andere Arbeiter von mir gerne fotografieren lassen und versammelten sich dazu gemeinsam auf einer Grabplatte. Ein andere stellte sich auch noch vor und wollte ebenso fotografiert werden. Ok. Während ich weiterging, sah ich einen Zug aus Menschen, angeführt von einem Leichenwagen, auf mich zukommen. Ich ging ihnen aus dem Weg und stellte mich an die Seite; einerseits, um sie ungehindert passieren lassen zu können, andererseits um mir den Zug anzuschauen. Es gab nicht nur einen Trauerzug, da der Samstag der traditionelle Beerdigungstag ist (das ist jedenfalls mindestens in der Central- & Graeter Accra-Region der Fall). Der zuletzt Fotografierte kam wieder zu mir. Von ihm erfuhr ich, dass sein Vater hier der Chief auf dem Friedhofsgelände sei und wenn ich etwas bräuchte, könnte ich mich an ihn, seinen Sohn wenden. Ich dankte ihm dafür und fragte, ob es wohl in Ordnung wäre, Fotos von der Zeremonie zu machen. Ja, das wäre kein Problem. In Deutschland hätte ich es sicher nicht gemacht, doch war ich nicht der Einzige, wenn auch wohl der einzige, der nicht zum Zeremoniell gehörte. Die anderen machten Fotos und filmten. Mein Begleiter meinte, dass ich weitere Fotos machen könnte und wir gingen zum nahe gelegenen Grab zu einer Aussichtsplattform (einem anderen Grab). Der Sarg wurde von einigen Männern getragen und da die Gräber wie gesagt dicht an dicht und hintereinander stehen, wurde der Sarg über einen Grabstein herübergehoben und gleich danach schräg in die Grube gehoben. Der Sarg verkantete sich dabei etwas und auch der Deckel verschob sich um ein, zwei Zentimeter, wurde aber mit einem Schlag wieder verschlossen. Danach hatte ich das Gefühl, dass es anders roch, was aber auch woanders hergekommen sein mag.
 

Ein Pastor predigte und vermutlich ein Angehöriger sprach ebenso etwas. Vom Pastor wurde etwas Erde auf den weißen Sarg geworfen. Angehörige Frauen warfen Blumensträuße in Klarsichtfolie darauf und es wurde gemeinsam gebetet. Es war keine große Trauergemeinde, wie man sie sonst von Beerdigungsveranstaltungen in der Stadt sieht, es kann aber auch sein, dass bei der eigentlichen Beerdigung nicht so viele Menschen anwesend sind. Die meisten von ihnen waren fröhlicher als ich das bei einer Beerdigung erwartet hätte. Mir war es nicht sehr angenehm die Fotos zu machen, doch fiel es mir auf der anderen Seite auch wieder leichter, da ich sehe, dass die Ghanaer dem fotografieren weniger zurückhaltend gegenüberstehen.

Mein Begleiter meinte zwischendurch erneut, dass ich mich an ihn wenden könnte und ich entgegnete, dass ich nichts zum Rauchen bräuchte und lag damit gar nicht so verkehrt, da er dann auch selber davon sprach :) Er begleitet mich dann noch vom Friedhof, wir unterhielten uns ein bisschen und er ließ sich ein Wasser ausgeben, bis ich selber weiter zog, um zur Trotro-Station zu gehen und zu versuchen, mein Aburi-Trotro zu bekommen (siehe oben).

Donnerstag, 2. Februar 2012

Feuer und Ratte

Ein weiterer Eintrag der mit einem Regenguss eingeleitet wird. Wie schon gehabt: es wurde dunkel (die Wolken hingen aber wirklich tief) und bald darauf regnete es schon wieder in der Trockenzeit. Ich hüllte mich in meine Regenjacke und schaute mir das Schauspiel wieder aus der Nähe an. Da unser Shop schon geschlossen war, stellte ich mich unter und blickte in unseren Innenhof. Mit der Zeit wurde es einem kleinen Tier vielleicht doch zu viel Wasser und ich sah, wie vor mir plötzlich ein Nagetier von der Seite angetippelt kam. Ich schätze, es war eine Ratte, doch süß war sie. Sie sah und bemerkte mich nicht, da ich mich nicht bewegte, und ich schaute ihr beim reinemachen zu (ob sie duschen wollte?).


Als sie verschwand, schaute ich wieder in den Himmel und sah schwarzen Rauch. Ist etwa in der Nähe ein Blitz eingeschlagen? Ich wollte mir den Ursprung genauer ansehen und folgte dem Rauch. Er war schnell zu finden und er war immer dichter, je näher ich kam. Ich schätze, dass es auf einer Fläche von etwa 3m² brannte.

Ich schaute mir das Schauspiel einige Zeit an – es war warm wie am Osterfeuer, roch nur anders! Es waren noch weitere Leute dort, für die es allerdings kein besonderes Schauspiel war und die die Verursacher des Feuers waren. Ich fragte, was denn dort verbrannt werden würde. Mir wurde mitgeteilt, dass sie dort eine Schlange hätten, die sie vertreiben wollten. Meine Antwort daraufhin, dass man ja an dem anderen Ort dann auch wieder ein Feuer entzünden müsste, fanden sie lustig und ich fragte mich, ob es nicht vielleicht noch andere Gründe geben mag. Auf dem ganzen Gelände war der Boden nämlich von Feuern verkohlt. Die müssen ein großes Schlangenproblem haben! Außerdem lagen viele Kleinteile Elektroschrott herum, so dass ich davon ausging, dass dort eher diese Teile verbrannt werden, um am die Metalle darin zu kommen. Auf diesem Gebiet bin ich kein Experte, doch soll das in einem Teil der Hauptstadt Accras üblich sein – hier habe ich es allerdings noch nicht gesehen.


Auf dem kurzen Rückweg zum Haus drehte der Wind, so dass er genau in meine Richtung zog. Ich versuchte die Luft anzuhalten und ab und an einen Atemzug zu nehmen. Angenehm waren die nicht. Auch später roch ich noch nach dem Rauch.

Zuhause sprach ich meinen Gast-Bruder auf das Feuer und auch die Schlange an und er meinte, dass das schon sein könnte, oder dass sie dort eine tote Schlange verbrennen würden, da so etwas ebenfalls nicht unüblich sei. Das wäre allerdings ein großes Feuer für eine Schlange gewesen und so meinte er auch, dass ich mit meiner Vermutung ebenfalls richtig liegen könnte.

Zwei Tage später ging ich abends in unseren Innenhof und erschrak ein bisschen, als ich etwas neben der Küchentür liegen sah: Es war eine erschlagene Ratte. Mein anderer Gastbruder hatte sich um diese gekümmert. Hmmm. Ob es die süße von zuvor war?

Sonntag, 29. Januar 2012

Endlich selber unterrichten

Heute habe mir den Wetterbericht angeschaut und festgestellt, dass es warm ist - gefühlt aber auch kühler als sonst. Dort stand auch, dass ein oder zwei Gewitter kommen sollen. Das perfekte Wetter, um am Rechner zu sitzen und einen Bericht zu schreiben. Ich wollte gerade starten und stellte fest, dass es  aufgrund der Bewölkung plötzlich recht dunkel im Zimmer war. Egal, ich will starten. Und, wie so gerne mal: Light off. Ich hatte zwar keines an, doch ist das hier der Begriff für Stromausfall. Diese Benennung hatte mich zuerst verwundert, doch verwende ich sie nun auch selber.

In einem der vorherigen Beiträge schrieb ich davon, dass ich in meinem Projekt bis auf assistieren der anderen Computer-Kollegen und den ICT-Raum Instandhalten nicht so viel zu tun habe. Es gab daraufhin ein Gespräch mit dem Leiter der ICT-Abteilung und einem Ansprechpartner meine ghanaischen Partnerorganisation, in dem festgelegt worden war, dass ich zwei Form One-Klassen zum Beginn des zweiten Terms bekommen sollte.

Dazu eine kurze Übersicht zum hiesigen Schulsystem: Die ersten sechs Jahre verbringen die Schüler in der Grundschule, die hier unter dem Namen Primary School bekannt ist. Die erste Klasse ist Form One, die zweite two und so weiter. Danach folgen drei Jahre in der Junior High School (JHS). Sind diese beiden Schulformen besucht, ist die Schulpflicht nach neun Jahren beendet. Möchte man gerne studieren, ist es nötig, die Senior High School (SHS) zu besuchen, die gerade von vier auf drei Jahren verkürzt wird. Meine Schule, die Swedru School of Business, ist eine solche SHS. Auch hier starten die Schüler wieder in Form One und schließen sie nach Form Three ab (beziehungsweise der letzte Jahrgang auch nach Form Four).


Ich hätte gerne vor den Ferien erfahren, welche Klassen ich genau bekommen sollte und auch schon gerne den Lehrplan, um mich auf den Unterricht vorbereiten zu können und um dann nach den Ferien nicht zu wenig Zeit dafür zu haben. Doch hieß es, dass dies nach den Ferien geschehen sollte. Die Schulwoche startete wie verabredet - allerdings wie vom ersten Term schon bekannt - mit Meetings, Meetings, Meetings. Ich nahm nur an zweien teil; an dem des Business-Departments in dem uns u. a. viele Schultermine bekannt gemacht wurden und anschließend an der Besprechung der ICT-Abteilung, die der Business-Abteilung untersteht. An beiden nahm auch meine Freundin teil um so auch etwas von der Schul-Atmosphäre schnuppern zu können. Die Woche wurde außerdem dazu genutzt, den Stundenplan zu erstellen.

Manche Form One-Schüler sah man schon vor den Ferien in der Schule - unterrichtet wurden sie zu der Zeit noch nicht. In der ersten Woche nach den Ferien aufgrund der Meetings auch nicht (die anderen Schüler somit aber auch nicht). Ich hatte im Meeting nun drei Klassen erhalten, welche ich mit je zwei Schulstunden (2x 40 Minuten) pro Woche unterrichteten werde. Die Klassen „gehören“ eigentlich anderen ICT-Kollegen, für die ich dann in Vertretung unterrichten werde. In der zweiten Woche hätte ich gerne begonnen, doch erfuhr ich von den anderen Lehrern, dass der Unterricht erst die darauf folgende Woche aufgenommen werden würde. So waren die Schüler in der Schule, die Lehrer auch und - nix halt. Ich war der Meinung, dass man doch schon beginnen könnte, um die Zeit zu nutzen, da wir beispielsweise später auch wieder eine Woche durch eine Inter School-Competition verlieren und es daher nützlich sein könnte, einen Puffer zu haben, aber so warteten wir halt. Die Zeit nutzte ich dennoch. Wir hatten ja letztes Jahr 20 neue PCs bekommen (aber noch nicht nutzen können, da der neue ICT-Raum noch nicht fertiggestellt ist – dazu unten mehr), von denen nun zehn zu den vorhanden zehn in den ICT-Raum gestellt worden waren. Diese begann ich entsprechend den Unterrichtsanforderungen einzurichten.

Die letzten Tage sehe ich Arbeiter ein neues Gebäude errichten. Schön, das wird man sicher für irgendetwas nutzen, dachte ich bei mir. Wir hatten ja einen weiteren Raum im November oder Dezember erhalten sollen. Nun erfuhr ich, dass wir doch nicht in den zuvor geplanten Bau umziehen könnten - unseren Raum werden wir in dem neuen Gebäude erhalten, welches gerade errichtet wird...


Ich habe nun also unterrichtet. Zuvor machte ich mir natürlich einige Notizen in meinen Unterlagen und bereitete meine Stunden vor. Vor dem ersten Unterrichtstag war ich ein bisschen unsicher, ob alles wie geplant klappen würde, was es jedoch tat. Und im Laufe der Woche fand ich mich immer besser in meine Aufgabe hinein, so dass ich am Freitag richtig froh und stolz war - vor allem über meine Form One-Stunden an diesem Tag. Ich fand, dass in dieser Klasse alles gut geklappt hatte. Als ich mich am Ende von der Klasse verabschiedete, klatschten auch einige Schüler. Ich denke, dass ich das Wissen ansprechend anhand von Beispielen vermitteln konnte und sie daher auch ihre Freude dabei hatten. Während des Unterrichts sagte ich ihnen öfters, dass sie fragen sollten, wenn sie Fragen hätten oder etwas nicht verstehen würden. Letzteres sagte ich vor allem aufgrund der Sprache. Ich komme hier mit der Zeit besser mit dem ghanaischen Englisch zurecht als noch zu Beginn (meine Freundin hat da noch frischere Erinnerungen an ihren eigenen Beginn). So oder so ist Englisch nicht gleich Englisch, so dass auch die Schüler nicht alles auf Anhieb verstehen, was ich in meinem deutschen Englisch spreche, doch habe ich von ihnen auch gleich einige ghanaische Englisch-Aussprachen angenommen, wenn sie selber noch einmal wiederholten, was ich gesagt hatte.

Die Bilder stammen nicht aus dieser Woche...
... zeigen aber, wie es aussehen kann.
Die Klassen sind wahrscheinlich nie vollständig in der Schule, da immer irgendwer fehlt. Die vom Klassensprecher genannte Klassengröße von 108 sollte aber doch einen guten Richtwert geben. Es sind zwar viele Klassen groß, doch unterrichte ich auch eine andere Form One-Klasse, deren Schwerpunkt auf Landwirtschaft ausgerichtet ist - in dieser sind es nur 30 Schüler.

Nächste Woche geht es weiter - es soll etwas zu Data & Information gelehrt werden.

Das zu Beginn des Textes angekündigte Gewitter war übrigens nicht so schlimm – es regnete nur ein bisschen.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Afehyiapa. Denn: Afehyiapa geht immer!

Jetzt noch einen Bericht, in dem es um Weihnachten geht? Wo doch das nächste Weihnachten gefühlt näher dran ist als das vorherige. Doch es kommt immer noch vor, dass einem (wie mir heute und vor ein paar Tagen) Frohe Weihnachten und auch ein frohes neues Jahr gewünscht wird. Das geschieht mit dem Ausspruch Afehyiapa (gesprochen AfischaPa). Das bedeutet so etwas wie gutes Jahr, lässt sich aber für mehrere jährlich wiederkehrende Ereignisse verwenden, sei es also Weihnachten und Neujahr oder Ostern oder ein Geburtstag. Doch wie war es denn nun eigentlich zu Weihnachten? Kurz gesagt: unspektakulär.

Am 24. Dezember traf ich mich mit ein paar Mit-Freiwilligen am nahe gelegenen Hotel-Pool. Ein Freiwilliger hatte Weihnachtskekse von daheim mitgebracht, ansonsten hätte es auch jeder andere Tag im Jahr sein können. Wir spielten Mensch-ärgere-dich-nicht und aßen Pommes.
Das obligatorische Weihanchtseis - wenn schon nicht um mich herum.
Auch wenn es nicht üblich sein soll, etwas zu schenken (wenigstens in meiner Gast-Familie), wollte ich ja doch etwas geben. Doch praktisch sollte es sein. An ein neues Küchenmesser hatte ich schon gedacht und so ging ich mit meinem Gastbruder zu dem großen Supermarkt und wir durchstöberten die Haushaltswarenabteilung. Außer dem Messer besorgte ich noch ein paar Gläser (und später Saft, um sie auch zu nutzen - meistens wird nämlich das Beutelwasser getrunken) und mein Gastbruder hielt eine Grillpfanne für eine gute Idee; die könnte man ebenfalls gebrauchen.

Von anderen Freiwilligen hatte ich gehört, dass - bei denen es jedenfalls Geschenke gibt - diese am 26. Dezember übergeben werden. Da es das ja in meiner Gastfamilie üblicherweise sowieso nicht gibt, wollte ich es gleich machen, als wir vom Einkaufen wiederkamen. Ich überreichte die Geschenke der Gastmutter - die flux in die Küche ging, um mir zu zeigen, dass es schon einen Grillpfanne im Haushalt gibt. Sie freute sich trotzdem und nun kann man ja auch mehr auf einmal zubereiten. Außerdem war meine größer! :)

Abends ging es mit einem anderen Freiwilligen und seiner Gastmutter in die katholische Kirche. Diese sollte ja um 18:30 Uhr starten - ich sollte um 19 Uhr bei denen sein, damit wir gemeinsam loskönnten. Aha. Ich war knapp dran und kam erst um 19:15 Uhr an. Was aber kein Problem war, da wir - ganz ghanaisch - erst um 19:45 Uhr starteten.

Die Messe war auf Fanti und sehr lang, so dass ich mit der Zeit nicht mehr so ganz bei der Sache war und mir das Ende herbeiwünschte. In dieser Messe erinnerte mich auch nur die Krippe und mehr Schmuck in der Kirche an Weihnachten (ich verstand ja nicht viel). Dennoch war es auf der anderen Seite schön, da es doch zu Weihnachten dazugehörte.


Am nächsten Morgen ging ich mit meiner Gastfamilie in den baptistischen Gottesdienst, der (da auch auf Fanti) bis auf den weiteren Schmuck in der Kirche für meinen Geschmack auch "normal" war.

In meinem letzten Beitrag schrieb ich, dass ich ein zu Weihnachten ein Hemd vom Schneider zurückerwarte, welches ich mir von geschenktem Stoff schneidern ließ. Das Ergebnis gibt's hier:

Der hohe Kragen ist praktisch gegen die Sonne.

Freitag, 13. Januar 2012

Gastbeitrag: Now you're a real Ghanaian

Das hört man immer dann, wenn man es geschafft hat, seine Klamotten mit der Hand zu waschen, Fufu (eins der Nationalgerichte Ghanas) zu essen und wenn man in der Abendsonne (da herrschen immer noch mindestens 28 Grad) anmerkt, dass einem kalt ist. Schwarz bin ich noch nicht geworden, aber vielleicht gehört das zu einem real Ghanaian auch gar nicht unbedingt dazu. Aber gewaschen habe ich (mit der Hand!), Fufu habe ich auch gegessen (auch mit der Hand!) und kalt... na ja, war mir eigentlich nicht wirklich in der Zeit, die ich in Ghana verbracht habe.

Diese Zeit ist nun auch schon fast vorbei, erstaunlich, wie schnell drei Wochen vergehen. Obwohl ich mal wieder Lust auf Spaghetti Bolognese oder einen Döner hätte, könnte ich jetzt auch noch länger hier bleiben. Das Essen vertrage ich zwar inzwischen ziemlich gut, aber es besteht halt alles irgendwie aus Reis, Brei aus Yamwurzeln (das Fufu), oder Maisklopsen (Banku). Das ist zum Ausprobieren mal ganz lecker, aber auf Dauer halt sehr... weich. Üblicherweise gibt es Fisch oder Hähnchen dazu, meist in einer für mich sehr scharfen Soße (was Schärfe angeht bin ich halt ein Weichei). Fufu mag ich allerdings wirklich gerne, zubereitet wird dieser Brei in einer Art überdimensionalem Mörser, wo die Yamwurzel kleingehackt hineingegeben wird und das ganze dann mit Wasser und Plantain (Kochbanenen) vermischt und gestampft wird. Man isst es natürlich mit den Fingern (aber nur mit der rechten Hand), wie fast alles hier. Vom Aussehen her erinnert es mich an Kartoffelbrei, allerdings ist es von der Konsistenz her eher fester. Jörns Gastmutter macht ziemlich gutes Essen, dennoch ist es kein Problem, an den Ständen auf den Straßen (die Chop-Bars) etwas zu Essen zu bekommen. Die hygienischen Bedenken, die man als Europäer da vielleicht hat, schiebt man schnell bei Seite, denn es wird alles ziemlich frisch zubereitet und riecht auch einfach lecker. Überhaupt bekommt man eigentlich fast alles, was man so braucht, auf der Straße. Entweder es gibt Stände am Straßenrand oder es laufen Verkäufer vorbei, die ihre Ware auf dem Kopf tragen. Das reicht von jeglichem Speiseangebot, über Wasser in kleinen Plastikbeuteln, Zahnbürsten, Taschenlampen, Klopapier, Schuhe, etc. Durchaus praktisch, wenn man im Trotro sitzt, das an der Ampel oder im Stau steht (Ampeln gibt es wirklich wenige hier, Stau dafür umso mehr) und alle möglichen Händler vorbei kommen. So kann man sich prima für den Rest der Fahrt mit Orangen, Wasser und Keksen eindecken. So bekommt das Wort Einkaufen fahren eine ganz andere Bedeutung!


Die letzte Woche waren wir wieder ein bisschen unterwegs. Wie schon angekündigt, sind wir in die Volta-Region gefahren, dort, wo vor 50 Jahren das größte und teuerste ghanaische Bauvorhaben in die Tat umgesetzt wurde. Der Volta-Stausee ist, wie Wikipedia verrät, der größte künstliche, von Menschen geschaffene Stausee der Welt. Beeindruckend ist das ganze schon, leider haben wir die Staumauer nur aus der Ferne und auch nur von einer Seite sehen können. Dafür hatten wir ein nettes kleines Hotel, direkt am Volta-River gelegen, wo es auch eine Badestelle gab. Das war die reinste Idylle! Keine hupenden Autos, kein Lärm, nur der Hahn, der morgens um halb 6 angefangen hat zu krähen...

Wir sind dann noch ein bisschen weiter in Richtung Norden gefahren, in eine Stadt namens Ho. In der Nähe gibt es einen kleinen, eher unbekannten Nationalpark, der schon fast an der Grenze zu Togo liegt. Dort kommt man nur hin, wenn man sich wagemutig auf eine Motorradtour abseits der – meist geteerten – Straßen einlässt. Wir sind dann mit einem Ranger und seinem Gewehr losgezogen, durch tiefsten Regenwald und heiße Savanne. Das war ziemlich cool, nur Tiere haben wir leider keine gesehen... obwohl wir extra eine Stunde an einem Wasserloch ausgeharrt haben.


Meine Ghana-Reise neigt sich jetzt dem Ende zu, morgen fahren wir auf eine Kakao-Plantage und dann in die Hauptstadt Accra, die wir bis zu meinem Abflug am Sonntag Abend erkunden werden. Das wird mit Sicherheit noch mal laut und anstrengend, aber ich glaube, ich werde das ghanaische Lebensgefühl ganz schön vermissen. Und die Sonne natürlich :)